cat dish II

neulich wurde mein katzendinner auf einem neuen geschirr serviert. „aus glas. italienisches design!“ sagte die hütefrau und tat ganz stolz und wichtig.


italienisches design? prrrt. ich tat ganz leidenschaftslos und indigniert, denn ich schmeckte keinen unterschied zu sonst. dabei hatte ich großen hunger, und das essen hier ist wirklich gut.

sie schien etwas verschnupft. „da steckt die energie von deiner katzfrau no 1 drin“, versuchte sie, mich aus der reserve zu locken: „das hat sie extra aus italien mitgebracht.“

wie jetzt, wieso italien? ich dachte, katzfrau no 1 ist in china. dann ist es ja kein wunder, wenn ich dauernd nach china-fernost teleschnurre und von dort überhaupt keine resonanz kriege!

naja. die hütefrau hat mir dann den rest erzählt, dass der teller zwar in echt aus italien und von meiner no1 kam, sie das ding aber schon viel länger hat. da haben nämlich die anderen katzen schon von gegessen. aber die mochten nur katzenkekse, und da ging das.

wir hingegen, wir bevorzugen nur feinste pasteten mit viel sauce und aroma. „wie kannst du das nur fressen – das stinkt doch!“ sagt sie immer. ich finde nicht, dass es stinkt. wie kommt sie drauf?

diese menschen haben alle ein völlig fehlgeleitetes riechorgan. sie hängt ihre nase immer in diese rosa blümchen mit den pieksern. lächerlich!

der italienische teller, um nun zum ende zu kommen, ist für meine feinen pasteten jedenfalls nicht geeignet. wenn ich denn davon speise, rutscht alles auf der anderen seite wieder runter, weil er viel zu flach ist.

ganz schlechtes design! da mag ich die japanischen teller lieber.

besuch im bett

neulich hatte die hütefrau einen besuch und hat dem besuch ein gästebett gebaut.

das machen die menschen so. die schlafen nicht einfach an irgendwelchen vorläufigen lieblingsplätzen, die genau jetzt genau richtig duften, die richtige temperatur haben und die richtige textur für ein kleines spontanes nickerchen.


nein! die menschen haben einen festen schlafplatz im haus, wo sie sich regelmäßig hinlegen. meistens sogar jeden tag! immer am selben platz! wenn ein besuch kommt, muss der manchmal im selben bett schlafen. aber nicht jeder und auch nicht immer.

besuch, der nicht im menschenbett schläft, kriegt meistens ein eigenes bett gebaut. das ist dann das sogenannte gästebett.

aber der meiste besuch darf sowieso überhaupt nicht in der menschenwohnung schlafen. nie! die müssen wieder weggehen, ohne geschlafen zu haben. das finde ich nicht sehr gastfreundlich. aber so sind sie, die menschen.

man hat noch nicht herausfinden können, wonach die menschen das entscheiden, wer im selben bett schlafen muss, wer ein eigenes bett kriegt und wer ohne schlafen wieder weggeschickt wird. vielleicht muss die farbe der kleidung mit der farbe vom bett zusammenpassen?

das bett steht immer am selben platz und hat immer dieselbe farbe. wie langweilig! wie einfallslos!

die farbe von den flauschdingern aber, die oben draufliegen und wo die menschen drunterkriechen, nachdem sie sich das fell – ääh, den pullover – über die ohren gezogen haben, die ändern sie regelmäßig. immer wenn ich mich an den geruch einer farbe gewöhnt habe, dann zack! kommt eine neue farbe, und die riecht dann wieder ganz anders.

jedenfalls war das bett vom besuch nur so lange ein besuchsbett, wie der besuch tatsächlich in der wohnung war. danach war es natürlich mein bett. die farbe vom flauschzeugs hat sehr gut gerochen. ich habe mensch gespielt und bin druntergekrochen.

ausguck

eine katze, die was auf sich hält, schaut so viel wie möglich freundlich in der gegend umher. das bedeutet in cat-speak: alles entspannt und easy. hier in meiner zweitwohnung macht das freundlich in der gegend herumschauen besonders viel freude: die gegend ist nämlich auch sehr freundlich, und ich habe einen tollen platz an der katzenleitertreppe mit blick in den baum und über die nachbarschaft und das dorf und das tal und die reben. da gibt es ne menge, wo ich hingucken kann. irgend etwas bewegt sich immer!


also sitze hier ich jeden tag und gucke alles ganz freundlich an. in frankreich hatte ich so einen tollen ausguck nicht.

weil ich mit meinem einen auge auf einen blick etwas weniger sehen kann als andere katzen, sitze ich gerne etwas länger. dann sehe ich mehr! für einen einblick brauche ich mit meinem einen auge sozusagen zwei blicke. außerdem duftet es an der katzenleiter lecker nach frischer minze.

allerdings habe ich es nicht gern, wenn ich von hinten fotografiert werde. dann erschrecke ich bisweilen, dann muss mein katzenspezifischer ichstarredichzutode-blick her. der macht meinen gegnern solche angst, dass sie auf der stelle vor schreck tot umfallen (sollten).

die fotografin hat's überlebt. ich glaube, sie kennt den trick.

schlechter empfang

manchmal vermiss ich meine katzfrau no. 1 und ihren besuchsmann und meinen hund vermisse ich auch. meine hütefrau krault mich ganz ausgesprochen wunderbar, aber es ist doch immer ein wenig anders als das original.

Keramik: Annette Walz, Wilhelmsdorf

bei sehnsucht schnurre ich so doll ich kann in die weite ferne, aber ich spüre kaum resonanz von meiner katzfrau no 1. bis nach china schnurren, das ist wohl ziemlich weit weg und schwieriger als ich dachte.

die hütefrau hat mir mal ihren katzenschnurrempfangsverstärker gezeigt von den zwei katzen, die früher hier in meiner wohnung gewohnt haben. modell doppelkatze. sie sagt, dass sie damit bis heute noch die energie von mii-zeh meier und mafia cioccolata empfangen kann, obwohl die längst über die regenbogenbrücke gegangen sind.

aber das kann schon sein, dass die noch senden. außerdem sind sie gar nicht so weit weg. ich habe die hütefrau nämlich im vergangenen jahr heimlich beobachtet, wie sie ihre katzen in meinem garten verbuddelt hat.

das habe ich geduldet und sie hat mir zum dank eine katzenminze hingepflanzt. nur mit mühe konnte ich meinen hund davon abhalten, die leichen meiner kolleginnen wieder auszubuddeln. aber davon weiß sie nix.

na jedenfalls glaube ich, dass so ein schurrempfangsverstärker eine prima sache ist. deswegen habe ich der hütefrau einen in auftrag gegeben, modell einzelkatze. den hat sie nun neulich endlich mitgebracht. der ist ganz klein und praktisch. den könnte ich sogar am halsband tragen und überall mit hinnehmen. aber ich trage natürlich kein halsband. so eine bin ich nicht.

wie alle welt weiß, ist der schnurrempfang umso besser, je wärmer es an der antenne ist. deswegen haben die verstärker eingebaute halbautomatische feuerentzünder. in blau und rot. je nachdem, wie kalt es ist. das ist sehr modern. in meiner kindheit gab es so was nicht. vielleicht liegt es auch daran, dass ich im ausland war.

so. nun muss ich nur noch den schnurrempfangsverstärker für einzelkatze nach china bugsieren zu meiner katzfrau no 1. wie das gehen kann, weiß ich noch nicht. aber es ist dringend wichtig. dann klappt das auch wieder mit der resonanz.

schnurrantenne

auch, wenn ich derzeit nicht in einem haus lebe, sondern ‚nur‘ in einer miezwohnung, so bin ich doch eine hauskatze.


eine meiner fähigkeiten ist für euch menschen noch immer nicht ganz aufgeklärt: das schnurren. dabei ist es doch ganz leicht: man lässt es sich einfach gut gehen und schnurrt dabei.

was aber nicht einmal die wikipedia zu wissen scheint: wir hauskatzen können auch fernschnurren. das dient der kommunikation unter katzen, die in anderen häusern oder sonstewo sitzen und sich nicht direkt sehen oder berühren können. es funktioniert auch über weitere entfernungen. die menschen würden das wohl „telepathie“ nennen.

aber verstehen tun sie auch das nicht – deswegen möchte ich es kurz erklären:

sender und antenne liegen in der katzenschwanzspitze, das ist klar: die ist über das rückenmark direkt mit meinem gehirn verbunden. ich habe einen besonders starken empfangssender. das sieht man daran, dass meine schwanzspitze weiß ist. das hat nicht jede katze.

auf dem bild seht ihr meine integrierte katzenschnurrantenne in ruhestellung.

bei aktivierter katzenschnurrantenne steht mein katzenschwanz meist wie eine flaschenbürste steil nach oben und vibriert unaufhörlich. um den empfang oder die sendeleistung zu regulieren, kann ich die schwanzspitze dabei auch nach den seiten und nach unten abknicken.

das zu fotografieren, habe ich meiner hütefrau allerdings noch nicht erlaubt.

wenn ich mal nicht so weit weg schnurren, sondern einfach nur meine wohnung mit ein bißchen wohlfühlschnurrenergie behaglich machen möchte, dann reicht es auch, wenn ich die schwanzspitze ganz gelassen hin- und herpendele.

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