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büroschlaf

in der letzten zeit war ich sehr erschöpft. dabei handelt es sich wohl um die große kätzische spätsommermüdigkeit.


wenn alle mäuse gefangen, wenn alle jungen vögel mit einäugigem katzentodesblick aus meinem revier vertrieben und wenn auch die letzten maulwürfe in der nachbarschaft meine tazzenhiebe leid sind, dann habe ich alles getan, was eine katze tun muss. vorläufig.

also ziehe ich mich ein weilchen zurück, lasse meine sommerlichen katzentaten genüsslich revue passieren und bereite die nächsten katzebutz-geschichten für euch vor. denkt nicht, dass ich schlafe!

in diesem jahr habe ich dazu die korbhöhle in meinem katzenbüro auserkoren. natürlich erst, nachdem ich die hütefrau ein angemessenes ruhekissen habe installieren lassen: in einem design, das meiner großen taten würdig ist.

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besuch auf dem balkon

auch wenn ich meine zweitwohnung niemals auf eigenen pfoten verlasse, so bedeutet das noch lange nicht, dass ich auf spannende gesellschaft verzichten muss:

die nachbarschaft aus dem großen blauglockenbaum kommt einfach zu mir auf den balkon herübergeflogen.


das ist else. else kam erst gestern auf einen kurzen schwatz vorbei. ihr flügel lahmte, und sie hat sich auf meiner leiter etwas ausgeruht.

dieweil haben wir gepflegt parliert, natürlich mit der gebotenen distanz. schließlich sind wir nicht per du. sie krächzte vor sich hin, und ich fauchte sie ein bißchen an.

ich musste unbedingt verhindern, dass sie mein eines auge für einen funkelnden diamanten hält und sich den mal eben unter den schnabel reißt. bei elstern weiß man ja nie. ich habe schon erlebt, dass die sehr rabiat werden können, die ganze diebische mischpoke!

neulich erst habe ich gesehen, wie sie das grünfinkennest oben in der säulenzypresse vom rentnergarten geplündert haben. biester!

aber else hatte dann doch angemessenen respekt vor mir. sie hat nicht einmal nach meinen katzenkeksen geschielt, bevor sie sich auf den rückflug machte.

vor lauter aufregung habe ich ganz vergessen, ihr mitzuteilen, dass der große baum demnächst abgesägt wird. das habe ich im gartenfunk gehört. der spatz, unser starmoderator, hat es vom dach gepfiffen.



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im dunkeln ist gut munkeln

meine mo jour sagt immer: „an der farbe des balkons kann man die gesinnung der vermieter erkennen.“ ich weiß zwar nicht genau, was sie damit meint, aber für mich ist diese schwarzbraune ecke wie gemacht.



nicht nur im dunklen, sondern auch bei tag hocke ich hier unter der dachschräge ganz unerkannt, stundenlang. wachsam. die ohren weit offen. alle vibrissen gespitzt und die schnurrantenne auf empfang.

erst, wenn mir etwas wirklich interessantes vor die sinne kommt und ich weiß, ob es sich lohnt - dann mache ich auch mein auge auf. eher nicht.

und siehe da! eine meise im baum, ein heupferd in der petersilie, eine fledermaus im gebälk oder eine dicke spinne unterm hocker: meinem scharfen auge entgeht nichts!

so bin ich immer bestens informiert über die dinge in der nachbarschaft.

manchmal, dann höre ich mo jour sagen: „guck mal, da liegt das katzebutz in der dunklen ecke und schläft.“ ich weiß nicht, was sie damit meint.


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fette beute

nun schaut euch an, was mir hier direkt vor die nase gehüpft ist!

heupferd im vorratsglas

auf dem balkon habe ich dieses riesige heupferd entdeckt, dann in die wohnung gejagt und ein bißchen gefoppt. es ist sehr grün und springt ganz wunderbar. es kann sogar fliegen – aber natürlich nicht schneller als ich.

mein personal hat es mal vorsichtig eingefangen, damit ich in aller ruhe mein auge darauf werfen kann. das sieht doch sehr appetitlich aus, findet ihr nicht?!

gegrillt wäre es bestimmt noch leckerer. gegrillte heuschrecken und grillen, welche eine delikatesse! die ist bestimmt aus afrika zu mir gekommen, direktemang.

leider hielt meine mo jour die grillerei für nicht angemessen. wie entmutigend! da trage ich nun schon mal zur ernährung des haushaltes bei, und dann weigert sich die köchin, die beute artgerecht zuzubereiten.

ich bin indigniert und habe das interesse verloren.

mo jour hat das grüne heupferd gemessen und wieder in den garten gesetzt. es war sechseinhalb zentimeter lang. mit antenne doppelt so viel.


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sonniges pastell

wenn ich mich mal im spiegel betrachte, sehe ich mich ungefähr so: in sanftem sonnigen pastell, und nicht allzu scharf:


das kommt zum einen daher, dass ich kein rot sehe. fragt mich nicht wie rot aussieht. ich habe keine ahnung! dass ich's nicht sehen kann, habe ich neulich auf einem streifzug durchs intercat erfahren.

meine farben sind gelb, vor allem gelb! dazu ein bißchen blau – so nennt ihr menschen das. grün oder grau sehe ich vieles, was für euch vielleicht andere farben hat.

das liegt daran, dass in meinen augen keine roten farbzapfen sind, und von den anderen für die farben blau und grün habe ich weniger als ihr, die meisten sehen gelb. erdbeeren interessieren mich also nicht. die graue maus schon eher!

andererseits habe ich mehr lichtempfindliche stäbchen und sehe auch nachts alles hell – wenn's für euch schon zappelduster ist.

deswegen beobachte ich eure welt am liebsten ganz relaxed mit halb geschlossenen augen. das ist immer noch hell genug. probiert das mal aus! es ist alles viel hübscher, wenn man gedimmte sanfte farben sieht und die konturen ein bißchen verwaschen sind.

ihr müsst auch nicht alles so dicht vor mich hinlegen, denn ich bin ziemlich weitsichtig. deswegen nützt es mir nichts, wenn ich mich direkt vor den spiegel stelle. alles unscharf!

das nagetier im rebberg aber, ganz weit hinten, das sehe ich sofort. rattenscharf sozusagen!


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hausdrachen

den elefantenrüsseligen krachkasten habe ich schon mehrmals erwähnt. er ist sehr laut. davor habe ich tierischen respekt.


mit seinem langen rüssel kommt er überall hin. deswegen ist das foto eine seltenheit. normalerweise bin ich immer nur da, wo unser hausdrachen nicht ist. wenn wir uns begegnen, kann ich ihn nur mit zunge rausstrecken und katzentodesblick auf abstand halten.

die meiste zeit steht er unbeweglich lauernd in einer ecke in seinem eigenen zimmer. dann scheint er zu verdauen. aber wehe, wenn er hunger hat! dann kommt er heraus und ist so wild, dass mo jour ihn an die leine legen muss.

dafür gibt es in der wohnung an den wänden mehrere hausdrachenleinen-andockstationen in katzen-nasenspitzen-höhe.

wovon er sich ernährt, weiß man nicht so genau. mir scheint, er ist da sehr wählerisch: zum beispiel meine katzenhaarkunst frisst er regelmäßig weg – und ich kann wieder von vorne anfangen. meine mäuse aber lässt er liegen.

ganz sicher hat er mein großes weißes schnurrhaar verputzt. ich kann es nirgends mehr finden.

auch kekskrümel verschlingt er. da ist er so heiß drauf, dass er mo jour überall hin durch die ganze wohnung folgt. wahrscheinlich hofft er, dass sie noch ein paar krümel fallen lässt.

mo jour mag den hausdrachen auch nicht. „viel zu laut“, pflegt sie zu sagen. der hat aber auch wirklich schlechte manieren. wie kann man beim fressen nur so viel lärm machen?

ich kann mir nicht erklären, warum der überhaupt hier wohnt. wir haben es doch sehr gemütlich zu zweit. auf diesen lärmbolzen könnte ich gut verzichten. meine katzfrau no. 1 im haus in frankreich hat auch einen. ich verstehe das nicht.

irgendwie scheinen diese hausdrachen für menschenwohnungen wichtig zu sein. oder umgekehrt. vielleicht gehört ihm die wohnung auch? und er lässt uns nur hier wohnen, damit wir ihn regelmäßig füttern?


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novemberwetter

es ist sonntag. mitte november. eigentlich wollte ich mich heute an mein catbook setzen und einen schönen langen brief nach fernchina nordost schreiben.



aber das geht nicht. ich habe meine pläne geändert.

das wetter ist schuld: der himmel ist blau, nur ein paar weiße schleierwölkchen und schnuckelig warme zwanzig grad auf meinem südbalkon.

da kann doch eine katze nicht am schreibtisch sitzen. nein! da muss ich raus auf meinen ausguck. da zwitschern die meisen im baum ganz frech. wenn ich glück habe, dann kommt mir eine zu nahe. hah!

vorhin hätte ich fast schon eine gehabt. aber die ist mir leider entwitscht. bis auf meinen teppichboden im zimmer hatte ich sie schon gelockt. da hat die hütefrau mich gerufen, ich war kurz abgelenkt und - zwitscherzwitscher - war meine meise wieder draußen im baum. jetzt habe ich keinen vogel mehr. zu dumm.

also fange ich wieder von vorne an mit der meisenjagd: raus auf den balkon, rauf auf die brüstung und hoch den ausguck. mal sehen, ob mein einäugiger katzentodesblick noch funktioniert.

ich schnurr euch was!

nachtkater

auch einer katze kann es mal zu viel werden. an allem ist nur die hitze schuld. ich hänge bloß noch in kühlen ecken!


weil es derzeit so warm ist, werden nachts alle fenster aufgemacht. auch die schrägen dachfenster. tja, und da ist es neulich passiert: wir hatten besuch. von einem kater! der kam übers dach und ist durch die küchenluke zu uns hereingehopst.

die hütefrau hat selig geschnarcht und überhaupt nichts gemerkt.

ihr hättet mich mal hören sollen! dem habe ich aber die leviten gefaucht! todesmutig und mit großem getöse habe ich meine hütefrau samt haus und hof verteidigt und diesen verirrten dummkopf in die flucht geschlagen.

natürlich hat er den rückweg durch die luke nicht gefunden. so blieb ihm nichts anderes übrig, als sich todesmutig vom nordbalkon in die tiefe zu stürzen.

da erst wurde meine hütefrau wach und hat licht gemacht. im dunkeln sieht die gar nix! mit großen augen hat sie mich angeguckt und nichts begriffen. von dem kater war nichts mehr zu sehen, nirgends.

seitdem sind die dachschrägen fenster in der nacht nur noch so weit offen, dass höchstens eine mücke durchpasst.

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