meine mo jour ist wirklich eine sehr umsichtige katzenhütefrau:
für den fall, dass meine geschäfte mal länger dauern, hat sie mir eine katzenzeitschrift neben das katzenklo gelegt. da kann ich nebenher was lesen.
die zeitung ist zwar schon etwas älter, aber doch immer wieder interessant. im pfotentauglichen format (8cm x 11 cm) wird berichtet über katzenmode von CHATnel, es gibt ein portrait der berühmten Laetitia Catsa, exclusive tipps wie den zitzenhalter für die moderne katze von format, einen reisebericht auf die Cazoren und – mein liebstes! - einen katzenpsychotest:
leider hat meine mo jour nur die eine ausgabe der naturELLE hier.
zu gerne hätte ich die fortsetzung gelesen und alles erfahren über die reise nach Katzmandu oder das rezept für Mouse au Chocolat.
falls also jemand noch eine andere katzenzeitschrift hat, könnten wir vielleicht tauschen? oder sagt ihr mir, wo es die für wenig mäuse zu kaufen gibt?
bis dahin macht einfach alle den katzenpsychotest und verratet mir ruhig, was rauskommt. ihr wisst ja: 'curiosity' ist der name der katze.
nachtrag von mo jour:
die kleine katzenzeitung war werbeartikel eines katzenstreu-herstellers (wie zu sehen ist), für den wir hier ausdrücklich keine werbung machen und deswegen auch den namen im text nicht nennen.
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in der letzten zeit war ich sehr erschöpft. dabei handelt es sich wohl um die große kätzische spätsommermüdigkeit.
wenn alle mäuse gefangen, wenn alle jungen vögel mit einäugigem katzentodesblick aus meinem revier vertrieben und wenn auch die letzten maulwürfe in der nachbarschaft meine tazzenhiebe leid sind, dann habe ich alles getan, was eine katze tun muss. vorläufig.
also ziehe ich mich ein weilchen zurück, lasse meine sommerlichen katzentaten genüsslich revue passieren und bereite die nächsten katzebutz-geschichten für euch vor. denkt nicht, dass ich schlafe!
in diesem jahr habe ich dazu die korbhöhle in meinem katzenbüro auserkoren. natürlich erst, nachdem ich die hütefrau ein angemessenes ruhekissen habe installieren lassen: in einem design, das meiner großen taten würdig ist.
hin und wieder erlaube ich mir, die lektüre meines personals zu kontrollieren.
wir wollen doch nicht, dass sie irgendwelches aufmüpfiges zeugs liest, mir am ende noch rebellisch wird und womöglich meine natürliche koboldskätzische überlegenheit anzweifelt. so weit darf es auf keinen fall kommen.
ich mache es mir also gerne mal mit ihrer sonntagszeitung auf meinem ledersofa gemütlich. in diesem fall hatte ich genau die richtige intuition. nicht auszudenken, wenn ihr dieser artikel unter die augen gekommen wäre:
„das leben ist einfach unbefriedigend.“ pah! was will der mann? doch nicht etwa die weltkatzschaft an sich reißen?
ich weiß zwar, dass meine mo jour auf die meinung von alten männern nicht viel gibt (wer tut das schon?) - aber katz kann nie wissen. was unauffällige zensur angeht, habe ich meine ganz eigenen methoden:
deswegen habe ich diesen aufrührerischen artikel seeehr gründlich mit meinen krallen zerlesen, bevor sie auf unangemessene gedanken kommen konnte.
heute bin ich sehr in eile. deswegen kann ich mich zum mittagessen noch nicht einmal richtig hinsetzen.
es ist viel zu tun: ich muss die wohnung bewachen. rundum. immer auf und ab. alle ritzen checken. da soll nix reinkommen, was wir hier nicht haben wollen.
meine mo jour wird belästigt. von ihrem sprechapparat. da kam fiese energie in die wohnung. mitten in der nacht! der hat uns geweckt! jetzt sind wir etwas nervös. das wollen wir nicht.
sie ist zur polizei gegangen. jetzt können wir die fiese energie wieder löschen. denn fiese energie wollen wir hier nicht haben.
deswegen pass ich lieber auf, dass jetzt nix neues fieses hereinkommt. zum glück gibt es für derlei katzebutz-spezialaufträge magisches kraftfutter mit hoher energiekonzentration.
das schmeckt ziemlich gut, übrigens. noch mal glück gehabt!
auch wenn ich meine zweitwohnung niemals auf eigenen pfoten verlasse, so bedeutet das noch lange nicht, dass ich auf spannende gesellschaft verzichten muss:
die nachbarschaft aus dem großen blauglockenbaum kommt einfach zu mir auf den balkon herübergeflogen.
das ist else. else kam erst gestern auf einen kurzen schwatz vorbei. ihr flügel lahmte, und sie hat sich auf meiner leiter etwas ausgeruht.
dieweil haben wir gepflegt parliert, natürlich mit der gebotenen distanz. schließlich sind wir nicht per du. sie krächzte vor sich hin, und ich fauchte sie ein bißchen an.
ich musste unbedingt verhindern, dass sie mein eines auge für einen funkelnden diamanten hält und sich den mal eben unter den schnabel reißt. bei elstern weiß man ja nie. ich habe schon erlebt, dass die sehr rabiat werden können, die ganze diebische mischpoke!
neulich erst habe ich gesehen, wie sie das grünfinkennest oben in der säulenzypresse vom rentnergarten geplündert haben. biester!
aber else hatte dann doch angemessenen respekt vor mir. sie hat nicht einmal nach meinen katzenkeksen geschielt, bevor sie sich auf den rückflug machte.
vor lauter aufregung habe ich ganz vergessen, ihr mitzuteilen, dass der große baum demnächst abgesägt wird. das habe ich im gartenfunk gehört. der spatz, unser starmoderator, hat es vom dach gepfiffen.
meine mo jour sagt immer: „an der farbe des balkons kann man die gesinnung der vermieter erkennen.“ ich weiß zwar nicht genau, was sie damit meint, aber für mich ist diese schwarzbraune ecke wie gemacht.
nicht nur im dunklen, sondern auch bei tag hocke ich hier unter der dachschräge ganz unerkannt, stundenlang. wachsam. die ohren weit offen. alle vibrissen gespitzt und die schnurrantenne auf empfang.
erst, wenn mir etwas wirklich interessantes vor die sinne kommt und ich weiß, ob es sich lohnt - dann mache ich auch mein auge auf. eher nicht.
und siehe da! eine meise im baum, ein heupferd in der petersilie, eine fledermaus im gebälk oder eine dicke spinne unterm hocker: meinem scharfen auge entgeht nichts!
so bin ich immer bestens informiert über die dinge in der nachbarschaft.
manchmal, dann höre ich mo jour sagen: „guck mal, da liegt das katzebutz in der dunklen ecke und schläft.“ ich weiß nicht, was sie damit meint.
dafür, dass ich eine kleine hauskoboldskatze bin, komme ich ganz schön in der welt herum.
es gibt immer wieder mal ein hin und her zwischen meinem haus in frankreich, den häusern von anderen familienmitgliedern, meiner zweitwohnung bei mo jour, dem urlaubsasyl und der katzenklinik.
ich schätze das nicht besonders. ich werde dann in die kiste gesteckt, samt kiste ins auto verfrachtet und auf dem beifahrersitz meiner katzenkutsche festgeschnallt.
unterwegs singe ich protestlieder, sehr laut und sehr melodisch. mo jour scheint das falsch zu verstehen. sie lenkt die kutsche und singt erbarmungslos mit, statt den tierschutz zu rufen.
heute waren wir mal wieder in der katzenklinik. weil ich nicht so gerne warte, hatte ich mir einen termin geben lassen, gleich nach dem frühstück. vor dem frühstück wäre ja noch unangenehmer.
in der tierklinik gehen wir in das zimmer mit dem blanken stahltisch. wenn ich da drauf muss, wird es doof.
heute durfte ich in meiner kiste sitzen blieben. die klinikfrau hat mich trotzdem gestochen. in die seite! ich habe ein bißchen gefaucht, aber nicht so sehr. ich habe sie auch nicht gebissen. da durften wir schnell wieder gehen.
die menschen sagen immer: das muss sein. ich könnte gut darauf verzichten.
nun schaut euch an, was mir hier direkt vor die nase gehüpft ist!
heupferd im vorratsglas
auf dem balkon habe ich dieses riesige heupferd entdeckt, dann in die wohnung gejagt und ein bißchen gefoppt. es ist sehr grün und springt ganz wunderbar. es kann sogar fliegen – aber natürlich nicht schneller als ich.
mein personal hat es mal vorsichtig eingefangen, damit ich in aller ruhe mein auge darauf werfen kann. das sieht doch sehr appetitlich aus, findet ihr nicht?!
gegrillt wäre es bestimmt noch leckerer. gegrillte heuschrecken und grillen, welche eine delikatesse! die ist bestimmt aus afrika zu mir gekommen, direktemang.
leider hielt meine mo jour die grillerei für nicht angemessen. wie entmutigend! da trage ich nun schon mal zur ernährung des haushaltes bei, und dann weigert sich die köchin, die beute artgerecht zuzubereiten.
ich bin indigniert und habe das interesse verloren.
mo jour hat das grüne heupferd gemessen und wieder in den garten gesetzt. es war sechseinhalb zentimeter lang. mit antenne doppelt so viel.
im allgemeinen bin ich sehr zufrieden mit meiner zweitwohnung hier bei mo jour. die meiste zeit ist es ziemlich ruhig. aber manchmal, dann macht sie echt komische sachen.
gestern hat sie nicht nur sich selbst, sondern das ganze haus geduscht.
wie die menschen das machen, weiß ich nicht. aber plötzlich prasselte von himmelhoch oben entsetzlich viel wasser herab. die wolken waren dunkelgrau und draußen war alles im nu pitschnass.
obendrein hat sie in der ferne auch noch so ein grell donnerndes blitzlicht eingeschaltet. schlimmer als das von ihrer kamera.
das war mir nicht geheuer! ich hatte große angst, dass das wasser mit gebrüll in meine wohnung kommt! schneller als ein mensch „donnerwetter“ sagen kann, habe ich mich daher in sicherheit gebracht.
mo jour scheint sich einen spaß mit mir zu machen. als ich zitternd unterm sofa lag, schaute sie mich grinsend an, saß dabei ganz entspannt an ihrer klapperkiste und machte überhaupt keine anstalten, sich irgendwo zu verstecken. sie hat noch nicht einmal die balkontüre geschlossen!
„was hast du denn, mein äuglein? das ist doch nur ein gewitter. das bleibt draußen und tut uns hier drinnen nichts.“
aha. ich blieb doch lieber unterm sofa. vorsichtshalber. hätte ja sein können, dass uns der himmel doch noch auf den kopf fällt. die menschen wissen auch nicht alles.
später hörte ich sie dem telefon erzählen: „sie versteht jedes wort, das ich sage. aber sie glaubt mir nicht alles.“
zuerst hat das personal meine neue toilette geputzt. das hat ziemlich lange gedauert. meine hütefrau ist da sehr gründlich. zum glück.
ich habe tapfer gewartet, bis alles fertig war. obwohl ich dringend mal musste. aber es geht doch nichts über frisches katzenstreu.
dann hat sie auch noch den roten hausdrachen gefüttert und ihn dazu kreuz und quer durch die wohnung geführt. ich bin kreuz und quer vor ihm weggelaufen.
der hausdrachen ernährt sich von unseren krümeln und katzenhaaren und hat vor lauter freude einen höllenlärm gemacht. so viel gab es heute für ihn.
jetzt muss ich mich erst einmal ausruhen.
dazu träume ich ein bißchen von frankreich und von china. meine allerliebste no. 1 hat mich nämlich heute angerufen. ich habe ins telefon geschnurrt. sie hat erzählt, dass sie mich bald besuchen kommt.
hoffentlich bringt sie mir was schönes mit. eine chinesische maus zum beispiel ….
das denke ich. jeden morgen. wenn ich beim aufwachen dir in dein wachsames auge schau. ob dir ähnliches durch den kopf geht? wie lange liegst du schon so da, neben meinem kopfkissen - mit unergründlichem blick. geduldig, bis ich von meinen traumreisen zu dir zurückkehre?
oder denkst du doch eher so etwas wie „nun wird sie endlich wach. große bastet sei dank. gibt es bald frühstück?“ nicht ein einziges mal hast du von mir gefordert, noch vor dem wachwerden aufzustehen, um deinen katzentisch zu decken. dafür danke ich dir sehr.
heute vor einem jahr bist du zum ersten mal hergekommen. besser: hast dich bringen lassen. von deiner katzenmutter, deiner von uns beiden geliebten no. 1.
bist sofort aus deinem korb gestiegen und in die hintersten ecken geschlichen, nachdem ich dir als erstes dein katzenklo gezeigt hatte.
wir kannten uns schon, ein bißchen. schließlich hattest du mich aufmerksam beobachtet, als ich im jahr zuvor meine alte katze in deinem garten begrub und nur ein halbes jahr später die andere.
damals habe ich dich zwar kaum zu gesicht bekommen, aber ich weiß genau, dass du mich nicht einen augenblick aus den augen gelassen hast. war ich dir unheimlich, weil ich nur tote kolleginnen brachte? dir zu gefallen pflanzte ich katzenminze auf das doppelgrab.
wir kannten uns auch von den nachmittagen, wenn ich deine no. 1 besucht habe, in deinem haus in frankreich. wo du dich besitzergreifend direkt neben sie auf die sofalehne gesetzt hast. um mir unmissverständlich mitzuteilen, dass sie dein personal sei und ich sie deswegen nicht allzu sehr ablenken dürfe. das habe ich natürlich respektiert.
vornehm zurückhaltend, gleichzeitig hemmungslos neugierig saßest du irgendwann direkt vor mir auf dem tisch, hattest mich mit einem auge fest im blick - um später schnurrend auf meine oberschenkel herabzusteigen.
„jetzt hast du sie“, sagte deine no. 1 – und als ihre pläne, für eine weile nach china zu gehen, konkret wurden, batest du sie darum, dich bei mir unterzubringen.
du wolltest aber erst mal probewohnen. denn eine katze lebt nicht nur im sack, sondern braucht ein standesgemäßes revier.
also kamst du zum probewohnen, heute vor einem jahr, für ein paar wochen. es war dein eigener wunsch. trotzdem hast du die ersten paar tage vorsichtshalber nur unter verschiedenen kommoden und unter dem bett verbracht.
ich fand dich in engsten zwischenräumen und staunte über deine fähigkeit, dich platt zu machen wie die sprichwörtliche flunder.
als ich dich ein paar tage später endlich auf dem bett liegen sah, war ich sehr erleichtert. kaum throntest du oben, wurden auch deine ansprüche größer. wir kamen uns näher: du wolltest einen eigenen schreibtisch mit intercatanschluss.
seither schreiben wir beide unsere geschichten. mal miteinander, mal nebeneinander. das ist schön. dein kritischer blick ist mein täglicher ansporn. mal ganz abgesehen davon, dass du als koboldskatze immer für ausreichend unfug sorgst. dich sehen und lachen ist eins. oder zumindest lächeln oder schmunzeln, wenn mein leben mir das leben mal wieder schwer macht.
schön, dass du da bist. und danke für deine zärtlich-inspirierende gesellschaft. ich weiß das sehr zu schätzen.
eine uralte katzenkoboldsregel lautet: „wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufzustellen.“
als katze von welt ist es mir daher natürlich ein großes anliegen, mich auch optisch angemessen in den haushalt von mo jour zu integrieren.
ihr könnt euch meine große freude vorstellen, als sie diesen schönen altmodischen holzliegestuhl für mich auf den balkon stellte. vor allem freute ich mich über den kuscheligen frotteebezug, aus dem ich kunstvoll fäden ziehen kann.
zusätzlich ist diese decke auch noch katzenzungenfarbig! das ist ein weiterer beweis, dass mo jour es wirklich ernst mit mir meint und dass dieser liegestuhl auch wirklich ganz und gar und nur für mich ist.
mein derzeitiger vorläufiger lieblingsplatz ist also wie geschaffen dafür, mich ausgiebig und langwierig der fellpflege zu widmen und mit der zunge immer schön weit auszuholen.
zumindest, solange die sonne scheint. vorsichtshalber sitze ich hier dann schneller als die hütefrau die worte „heute bin ich aber mal an der reihe mit liegestuhllümmeln“ auch nur denken könnte!
die sonne scheint auf dem balkon jetzt nämlich höchstens eine gute stunde am tag: schuld daran sind die baulichen und gärtnerischen gegebenheiten in gestalt eines weit vorgezogenen dachs und eines ausladenden baums. in dieser zeit gehört der platz an der sonne natürlich mir.
die schattenzeiten interessieren mich einfach nicht.
wie ihr seht, bin ich sehr damit beschäftigt, verlockend auf der langen leitung von meiner hütefrau mo jour herum zu lungern. diese lange leitung ist - bei sonnenschein - zur zeit mein vorläufiger lieblingsplatz.
ich bin nämlich der meinung, dass mo jour zu viel arbeitet. sogar heute, am ersten mai, sitzt sie die ganze zeit vor ihrer klapperkiste und tappelt mit den fingerspitzen darauf herum. wo doch heute alles stille ist und sogar die allerfleißigsten bienchen eine pause einlegen.
was macht sie nur immer? dabei ist doch das oberste gebot an sonn- und feiertagen: du sollst ausgiebig deine katze kraulen!
nun habe ich mich schon so dekorativ und streicheleinheiten-empfangswillig in den sonnenflecken hingegossen, aber reagiert meine mo jour? nein! sie kapiert es einfach nicht. sie hat echt eine lange leitung!
wenn ihr nicht bald ein licht aufgeht und sie auch weiterhin immer nur im schatten sitzt, dann bleibt mir nichts anderes übrig als den stecker zu ziehen.
Das kunterbunte Katzenbuch Nr. 2 / Hrsg. Renate Blaes
es kam via persönlichem boten zu mir. frau Renate hat es mir geschickt. ob ich wohl so gnädig sei, es mir einmal anzuschauen, fragte sie höflich. jawohl, bin ich.
insgeheim habe ich mich schwanzspitzvibrierend gefreut über diese weitere große ehre. aber das lasse ich nicht so raushängen.
natürlich war ich sehr neugierig auf das buch, und so habe ich es meiner hütefrau mo jour auf den nachttisch gelegt. ich weiß nämlich, dass sie abends im bett gerne noch etwas liest vor dem einschlafen.
„guck mal, noch ein buch über katzen und ihre leute wie du und ich“ sagte sie lockend und las mir allmitternächtlich eine geschichte vor oder ein gedicht. genau das hatte ich beabsichtigt: ein katzebutz lässt lesen - wie allgemein bekannt ist.
das einzige was mich stört, ist, dass mo jour sich zum lesen auf ihren bauch liegt. auf ihrem bauch würde viel lieber ich liegen! aber gut. ich habe mich arrangiert, mache es mir in den lesestunden auf ihrem rücken bequem und pfotele ihr schnurrend eine katzenmassage zwischen die schulterblätter.
für das kubuKabu2 (ich liebe abkürzungen!) haben viele meiner katztier-kollegInnen ihr personal dazu angestiftet, protokoll zu schreiben über ihr zusammenleben mit unsereins. den meisten ist das gut gelungen. wir sind aber auch immer eine geschichte wert. ach, was sage ich: ohne katze keine geschichte! jedenfalls habe ich mich gut amüsiert. mo jour ebenso.
manche katzen schreiben ihre geschichten auch selbst. so wie ich. das ist spannend. wir könnten mal ein felides autorentreffen organisieren mit viel katzenmusik und lecker katzenkekse dazu knabbern.
aber ich schweife ab. wunderschöne bilder sind im buch, das habe ich mit eigenem auge gesehen! hinten sind die ganzen wegweiser für mein intercat, da kann ich alle katzautoren mit der maus an der leine besuchen gehen.
vorne im buch ist kein inhaltsverzeichnis. da hat meine mo jour ganz schön geflucht: „ja so eine unordnung! wie soll ich denn da eine geschichte wiederfinden, wenn sie mir gut gefallen hat? und woher soll ich wissen, was ich schon gelesen habe und was nicht?!“
sie hat nämlich nicht so ein gutes gedächtnis wie unsereins und auch nicht so einen herausragenden orientierungssinn. ich hingegen bin der meinung, dass das kubuKabu2 intuitiv sehr leicht zu bedienen ist.
das buch macht außerdem ein ganz besonders appetitliches geräusch, wenn mo jour darin suchend vor- und zurückblättert. fast wie mäusepfotentrappeln auf holzboden. mit inhaltsverzeichnis hätte ich diesen akustischen genuss viel seltener gehabt.
den großen katzentest, ob ich in einer angemessenen unterkunft residiere, habe ich aber dann doch lieber heimlich gemacht. ratet mal, was dabei dabei herauskam?!
Das kunterbunte Katzenbuch Nr. 2: herausgegeben, gestaltet und illustriert von Renate Blaes, Schondorf am Ammersee 2008. ISBN 978-3833462207, 120 Seiten.
mir ist das ja im grunde egal, worauf mir die mahlzeiten serviert werden. hauptsache, es gibt mein lieblingsfutter. oder gegrilltes hühnchen.
für ostern hat mo jour für mich ein altes, kostbares geschirr aus dem schrank geholt: feinstes porzellan. elfenbeinfarben mit dickem goldrand und monogramm. von der firma hühnerhügel.
in goldener schnörkelschrift sind die initialen PdR darauf gemalt. sie sagt, das steht für Palacio da Raíña. das ist galizisch und bedeutet „Palast der Königin“.
die teller und schüsseln waren früher in einem riesengroßen palast zu hause. mehr als tausend glitzernde lampen haben den speisesaal strahlend hell erleuchtet. berühmte menschen gehörten zu den gästen.
höchst ehrenwerte leute haben also schon von meinem tellerchen gegessen. wer von denen eine katze beherbergen durfte, ist mir nicht überliefert.
den palast gibt es nicht mehr. an seiner stelle soll ein schloss gebaut werden. ich grübele nun, was der unterschied sein könnte. und ob wir dann da einziehen.
mo jour irrt übrigens, wenn sie denkt, dass mir das fade magenunddarmschonfutter von diesen museumstellern besser schmeckt.
anm. d. co-autorin
das katzebutz hat ein bißchen mit den wörtern gespielt. es handelt sich um henneberg-porzellan aus dem berliner palast der republik.
guckt mal, wie schön das ist! schon lange leuchtet der busch goldgelb unten im garten. er wird sogar immer noch gelber, von tag zu tag.
was ihr nicht sehen könnt: es duftet auch sehr wunderbar, und ich höre eine ganze symphonie von frühlingsgeräuschen.
kaum halte ich die nase in den leichten wind und spitze die ohren, schon mache ich die abenteuerlichste reise:
in der hecke raschelt der igel, neben der mauer gräbt die spitzmaus ein loch. die wilde hummel macht mir einen brummschädel. mo jour verstreut stinkendes zeug in ihre pieksenden rosen. die meisen im großen baum foppen sich mit den spatzen.
der nachbar lärmt mit der heckenschere ausgerechnet dann, wenn ich mein sonnenscheinnickerchen machen will. der graue specht hat eine psychose: er wiehert wie ein pferd.
der hund aus dem haus hügelabwärts bellt den großen schwarzen kater aus dem haus hügelaufwärts in die flucht. trecker rattern in den weinberg und alphornklänge ziehen übers tal.
da habe ich es doch sehr schön hier oben, in sicherheit auf dem balkon und mit der allerschönsten aussicht.
da ist es wieder! mein einziges einzigartiges schneeweißes großes schnurrbarthaar, das mich mit allen koboldskatzen dieser welt verbindet. gleichzeitig fernschnurrturbosender und weltweiter schnurrempfangsverstärker.
anfang januar hatte ich das alte verloren. heute, nur neun wochen später, ist das neue schon viereinhalb zentimeter lang. superschnell nachgewachsen!
das ist gut, denn in letzter zeit hat meine verbindung zu china etwas geschwächelt.
auf exotisch heißen meine schnurrantennen und -empfänger übrigens vibrissen oder tasthaare. auf superexotisch heißen sie sinushaare. jedes einzelne wächst auf einem nervenknotenpunkt mit direktlink in meinen eigensinnigen katzenkopf.
auf jeder nasenseite habe ich ungefähr genau zwölf stück davon in vier reihen. ich kann sie sogar unabhängig voneinander bewegen. das hat jede katze. außer wenn mal gerade eines erneuert wird.
aber schneeweiß ist bei mir nur eines - auf der nasenseite, die kein auge hat.
hier zeige ich euch noch einen meiner vorläufigen lieblingsplätze:
das ist das fensterbrett im südfenster. wenn die sonne scheint, ist es hier wunderbar lecker warm.
wenn die sonne nicht scheint, ist es hier auch wunderbar lecker warm. weil untendrunter das heiße eisen steht. und ich immer on top!
solange es mir draußen noch ein bißchen zu kalt ist, kann ich auch vom fensterbrett aus prima in die welt gucken. da habe ich den großen baum und die terrasse voll im einaugenblick:
ich sehe den specht mit seiner roten mütze: der klopft sich am großen baum dusselig. ich sehe die amseln, die fast so schön zwitschern wie ich.
das allerbeste aber ist, dass mein cat-window automatisches katzengrün hat, das mir von oben ins maul wächst. ich muss nur den kopf ein wenig drehen und zack! schon kann ich an den zarten spitzen knabbern.
seitdem ich keinen garten mehr habe, keine bäume zum draufklettern und keinen hund zum spielen, muss ich mich anderweitig fit halten. ich habe nur die olle renovierleiter auf dem balkon.
also habe ich mich für indoor billard entschieden. die regeln sind kompliziert, da hat auch mein schwarzer kopf zu tun.
für das teppich-billard habe ich viele schwarze kugeln. die müssen nach ausgeklügelten strategischen gesichtspunkten und einem sehr komplizierten zeitplan in der gesamten wohnung verteilt werden. ungefähr so wie meine haarkunst – aber natürlich ganz anders. das ist eine gute übung für meine pfotengeschicklichkeit.
ich habe auch drei bunte murmeln – eine größere und zwei kleinere. auf die muss ich besonders achtgeben, die fallen auf dem teppich nicht so auf. die gehören immer an stellen hingekullert, wo meine hütefrau garantiert drauftritt. das muss ich hellsehen! jeden tag an einen anderen platz. überraschung! mo jour läuft immer auf socken über den teppich. jedes mal, wenn sie eine kugel trifft, quietscht sie ganz zauberhaft.
die schwierigste aller meiner billard-herausforderungen ist die weiße irgendwie halbkugel. die hat es mir besonders angetan, weil sie so unkontrollierbar trudelt.
aber genau das ist das spannende daran. was wäre ein katzenleben ohne kleine überraschungen!
seit viereinhalb monaten bin ich nun bei mo jour zu gast.
im grund verstehen wir uns prächtig. das liegt vor allem daran, dass ich eine so zugewandte und sehr geduldige katze bin und nicht immer auf meinen katzenrechten bestehe.
zum beispiel habe ich mich fast damit abgefunden, dass ich hier nicht durch die vordertüre raus und rein darf. also bleibe ich eben drinnen und versuche kaum noch, vorne rauszuwitschen.
natürlich könnte ich über die katzentreppe hinten raus gehen. tu ich aber nicht. schon gar nicht, solange da auf dem eigentlich schwarzen schuppendach noch weißer schnee liegt. da ist ja meine tarnung völlig dahin.
ich sitze aber täglich vor der öffnung in der balkonumrandung und sinniere hinüber.
mo jour hat erzählt, dass ihre alte katze neun monate gebraucht hat, bevor sie sich hinübertraute. nicht, dass ihr denkt, ich hätte angst, da rüber zu balancieren. schließlich bin ich in frankreich die bäume hoch und runter und zweieinhalb meter aus dem stand über abgründe gehechtet.
mein eines auge guckt für zwei!
nönö. angst habe ich keine. ich doch nicht. allerhöchstens ein ganz klein klitzbißchen respekt vor dem großen starken schwarzen kater, der da draußen immer so forsch auf und ab marschiert und uns hier im sommer ja auch schon mal des nachts besucht hat.
könnte schon sein, dass ich mal irgendwann über die planke gehe. bald. oder später. vielleicht.