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ich bin dann mal weg

länger als ein ganzes jahr bin ich nun schon bei meiner hütefrau mo jour, während meine no. 1 in china große abenteuer erlebt.


nur zwei mal habe ich sie in der zwischenzeit kurz gesehen, als sie mich hier besuchte. im januar und im juli. das ist mir zu wenig. ich habe sehnsucht!

wo wohnt sie jetzt? was isst sie dort? arbeitet sie? lernt sie neues? trifft sie spannende menschen, hat sie gar eine andere katze?!

ich finde, es reicht mit dem doppelleben. es wird zeit, dass ich hingehe und darauf achte, dass meine no. 1 keinen unfug anstellt.

deswegen habe ich beschlossen, mich auf die pfoten zu machen nach chinesisch nordost. das wird ein langer langer catwalk. erstmal richtung süden.

unterwegs habe ich kein intercat. da muss ich mich einzig auf meine schnurrantenne verlassen. zum glück wächst das große weiße schnurrhaar gerade wieder nach. das ist sozusagen mein navi, mein tomtom, mein tomcat.

falls ich unterwegs mal zeit habe, schreibe ich vielleicht eine postkarte. von ganz weit weg. die könnt ihr euch dann vorlesen lassen. hier. von mo jour.

neulich habe ich erfahren, dass chinesische katzen hängeohren haben. mit so einer hängeohrkatze muss ich unbedingt mal plauschen. es heißt, sie würden vor lauter unglück die ohren hängen lassen, weil die modernen chinesen sie nicht gut behandeln.

habt keine angst um mich, dass die chinesen mir was tun könnten. denn jeder chinese mit kultur weiß ganz genau, dass unsereins schon seit jahrtausenden die kokons der seidenraupen beschützt.

die chinesen wissen auch, dass wir eine große seele haben wie sonst nur die menschen. katzen bringen glück und langes leben. was sonst. ich halte die ohren steif!

ich sage allen danke, die hier so aufmerksam mitgelesen und mein katzenleben verfolgt haben. das hat mir viel freude gemacht, mit euch fernzuschnurren!

also vergesst mich nicht. und wenn mal ein leicht vibrierendes brummen sich wärmend an eure halsbeuge schmiegt, dann ist das ein geschnurrter gruß von mir!

prrrrrrt.


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katzenzeitschrift

meine mo jour ist wirklich eine sehr umsichtige katzenhütefrau:

für den fall, dass meine geschäfte mal länger dauern, hat sie mir eine katzenzeitschrift neben das katzenklo gelegt. da kann ich nebenher was lesen.



die zeitung ist zwar schon etwas älter, aber doch immer wieder interessant. im pfotentauglichen format (8cm x 11 cm) wird berichtet über katzenmode von CHATnel, es gibt ein portrait der berühmten Laetitia Catsa, exclusive tipps wie den zitzenhalter für die moderne katze von format, einen reisebericht auf die Cazoren und – mein liebstes! - einen katzenpsychotest:



leider hat meine mo jour nur die eine ausgabe der naturELLE hier.

zu gerne hätte ich die fortsetzung gelesen und alles erfahren über die reise nach Katzmandu oder das rezept für Mouse au Chocolat.

falls also jemand noch eine andere katzenzeitschrift hat, könnten wir vielleicht tauschen? oder sagt ihr mir, wo es die für wenig mäuse zu kaufen gibt?

bis dahin macht einfach alle den katzenpsychotest und verratet mir ruhig, was rauskommt. ihr wisst ja: 'curiosity' ist der name der katze.


nachtrag von mo jour:
die kleine katzenzeitung war werbeartikel eines katzenstreu-herstellers (wie zu sehen ist), für den wir hier ausdrücklich keine werbung machen und deswegen auch den namen im text nicht nennen.
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kulturkatze

hin und wieder erlaube ich mir, die lektüre meines personals zu kontrollieren.

wir wollen doch nicht, dass sie irgendwelches aufmüpfiges zeugs liest, mir am ende noch rebellisch wird und womöglich meine natürliche koboldskätzische überlegenheit anzweifelt. so weit darf es auf keinen fall kommen.

ich mache es mir also gerne mal mit ihrer sonntagszeitung auf meinem ledersofa gemütlich. in diesem fall hatte ich genau die richtige intuition. nicht auszudenken, wenn ihr dieser artikel unter die augen gekommen wäre:


„das leben ist einfach unbefriedigend.“ pah! was will der mann? doch nicht etwa die weltkatzschaft an sich reißen?

ich weiß zwar, dass meine mo jour auf die meinung von alten männern nicht viel gibt (wer tut das schon?) - aber katz kann nie wissen. was unauffällige zensur angeht, habe ich meine ganz eigenen methoden:

deswegen habe ich diesen aufrührerischen artikel seeehr gründlich mit meinen krallen zerlesen, bevor sie auf unangemessene gedanken kommen konnte.


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backwahn

neulich habe ich ja mal ein kochbuch gewonnen. in dem kochbuch erklärt Hainz, der scharfe haus-hai von der wunderbaren frau Copperhead Coppinski, wie er muffins herstellt.

da dachte ich mir: was für haie das beste, ist für katzebutzen gerade gut genug.

also habe ich extra eigenpfötig die muffinförmchen mit dem katzenstempel markiert und der hütefrau eine portion katzenmuffins in auftrag gegeben.


sie hat auch ordentlich was zusammengerührt mit ihrer alten mixerette. weil das sehr laut war, habe ich die küche lieber weiträumig gemieden.

dies stellte sich als fehler heraus, ich hätte besser die zutaten kontrolliert. wie schon die katzenkekse und den katzenkuchen hat mo jour nun auch die muffins für den gehobenen katzengourmet komplett verhundst:

weder sind mäuseohren drin noch schabefleisch, noch nicht einmal katzengras! der käse geht ja noch, aber walnüsse, dinkelmehl und petersilie sind einfach nicht nach meinem geschmack.

irgendwie habe ich mo jour in verdacht, dass sie das schon vorher gewusst hat. und dass ihre muffins nicht einmal dem hai schmecken würden.


na, wenigstens sind sie ganz hübsch geworden. aber jetzt bestelle ich den CATering service von call-a-mouse: frau PIEPSMAUS, bitte übernehmen Sie!

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sonnenflecken

wir katzen haben's gerne warm.

da kommt es mir sehr gelegen, dass es hier in meiner zweitwohnung bei mo jour löcher im dach gibt. das ist ein phänomen!



die löcher sind so gemacht, dass kein regen durchgeht. aber das sonnenlicht und seine wärme passen durch. so muss es sein. das gibt sehr schöne sonnenflecken auf meinem teppich.

darin tanke ich energie auf, wenn ich mit der haarkunst fertig bin. das fördert den solaren schnurr-flux.

meine sonnenflecken sind genau umgekehrt zu den sonnenflecken auf der sonne: bei mir sind sie hell und wärmer, auf der sonne sind sie dunkel und kühler.

ich bin sehr froh, dass ich nicht auf der sonne wohne. denn dort sind die sonnenflecken nicht so gemütlich wie bei mo jour.

schade ist nur, dass meine mo jour sich niemals mit mir gemeinsam in die sonnenflecken hineinlegt. dabei könnten wir uns ganz prima miteinander darin herumräkeln und es uns gut gehen lassen.

neulich, da habe ich genau gehört, wie sie ganz laut gesagt hat, dass sie es auch lieber hell und warm hat als kühl und dunkel.

na ja. ich glaube, sie will mir die besten plätze nicht streitig machen. schließlich sind es nur noch vier tage bis zum internationalen tag der katze am achten august. das ist sehr rücksichtsvoll von meinem personal.


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guten morgen du schöne

das denke ich. jeden morgen. wenn ich beim aufwachen dir in dein wachsames auge schau. ob dir ähnliches durch den kopf geht? wie lange liegst du schon so da, neben meinem kopfkissen - mit unergründlichem blick. geduldig, bis ich von meinen traumreisen zu dir zurückkehre?


oder denkst du doch eher so etwas wie „nun wird sie endlich wach. große bastet sei dank. gibt es bald frühstück?“ nicht ein einziges mal hast du von mir gefordert, noch vor dem wachwerden aufzustehen, um deinen katzentisch zu decken. dafür danke ich dir sehr.

heute vor einem jahr bist du zum ersten mal hergekommen. besser: hast dich bringen lassen. von deiner katzenmutter, deiner von uns beiden geliebten no. 1.

bist sofort aus deinem korb gestiegen und in die hintersten ecken geschlichen, nachdem ich dir als erstes dein katzenklo gezeigt hatte.

wir kannten uns schon, ein bißchen. schließlich hattest du mich aufmerksam beobachtet, als ich im jahr zuvor meine alte katze in deinem garten begrub und nur ein halbes jahr später die andere.

damals habe ich dich zwar kaum zu gesicht bekommen, aber ich weiß genau, dass du mich nicht einen augenblick aus den augen gelassen hast. war ich dir unheimlich, weil ich nur tote kolleginnen brachte? dir zu gefallen pflanzte ich katzenminze auf das doppelgrab.

wir kannten uns auch von den nachmittagen, wenn ich deine no. 1 besucht habe, in deinem haus in frankreich. wo du dich besitzergreifend direkt neben sie auf die sofalehne gesetzt hast. um mir unmissverständlich mitzuteilen, dass sie dein personal sei und ich sie deswegen nicht allzu sehr ablenken dürfe. das habe ich natürlich respektiert.

vornehm zurückhaltend, gleichzeitig hemmungslos neugierig saßest du irgendwann direkt vor mir auf dem tisch, hattest mich mit einem auge fest im blick - um später schnurrend auf meine oberschenkel herabzusteigen.

„jetzt hast du sie“, sagte deine no. 1 – und als ihre pläne, für eine weile nach china zu gehen, konkret wurden, batest du sie darum, dich bei mir unterzubringen.

du wolltest aber erst mal probewohnen. denn eine katze lebt nicht nur im sack, sondern braucht ein standesgemäßes revier.

also kamst du zum probewohnen, heute vor einem jahr, für ein paar wochen. es war dein eigener wunsch. trotzdem hast du die ersten paar tage vorsichtshalber nur unter verschiedenen kommoden und unter dem bett verbracht.

ich fand dich in engsten zwischenräumen und staunte über deine fähigkeit, dich platt zu machen wie die sprichwörtliche flunder.

als ich dich ein paar tage später endlich auf dem bett liegen sah, war ich sehr erleichtert. kaum throntest du oben, wurden auch deine ansprüche größer. wir kamen uns näher: du wolltest einen eigenen schreibtisch mit intercatanschluss.

seither schreiben wir beide unsere geschichten. mal miteinander, mal nebeneinander. das ist schön. dein kritischer blick ist mein täglicher ansporn. mal ganz abgesehen davon, dass du als koboldskatze immer für ausreichend unfug sorgst. dich sehen und lachen ist eins. oder zumindest lächeln oder schmunzeln, wenn mein leben mir das leben mal wieder schwer macht.

schön, dass du da bist. und danke für deine zärtlich-inspirierende gesellschaft. ich weiß das sehr zu schätzen.


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CCC - catcontentcontest

viele grüße vom katzebutz.

sie hat heute keine zeit zum bloggen, sondern thront auf ihrem zeitweiligen lieblingsplatz im katzenbüro, macht sich diva und sagt, ich soll sie vorteilhaft fotografieren und dann einen schönen text für sie schreiben.


na gut. also mache ich das, ausnahmsweise.

das äuglein möchte an einem fotowettbewerb teilnehmen. das thema lautet 'lieblingsplätze' – als hätte sie es sich selbst ausgesucht! vorläufige lieblingsplätze hat sie ja wirklich mehr als genug.

erfunden wurde der lieblingsplatzwettbewerb von kater paul. kater paul ist im märz über die große brücke gegangen. sein mensch, der herr detlev bluhm, macht den wettbewerb jetzt trotzdem. sozusagen in memoriam.

schon um dem wunderbaren kater paul posthum die ehre zu erweisen, sagt katzebutz, muss sie da mitmachen und Germany's Next Top Cat werden.

katzebutz goes GNTC. was sonst?!

teilnehmen könnt ihr – entweder über facebook in der fotowettbewerbsgruppe »Katzen-Fotowettbewerb: Lieblingsplätze« oder per email an herrn bluhm.

macht das unbedingt! und erzählt davon allen katzen, die ihr kennt. das ist eine tolle sache!

es gibt nämlich bücherpakete zu gewinnen! die könnt ihr euch dann vorlesen lassen. das verspricht kuschelige stunden mit euren menschen!

denn wir wissen: eine kluge katze kann auf vieles verzichten im leben. aber nicht auf literatur.

da kommt das äuglein zu mir herüber, liest mit einem auge flott korrektur und schnurrt „ist gut so“. jetzt soll ich ihr noch bei der fotoauswahl helfen.

wir wünschen viel spaß beim wettbewerb – und viel glück!


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zhōngxīn zhùhè shēngrì

die hütefrau, meine mo jour, hat mir heute einen besonderen spezialauftrag gegeben. sie sagt, ich könnte doch einmal versuchen, rosenduft nach china zu schnurren.


normalerweise übernehme ich kein auftragsschnurren, denn ich bin keine postkatze.

aber in diesem einen besonderen fall - und natürlich auch weil es eine große herausforderung für mich ist, der ich mich nicht verweigern kann – mache ich eine ausnahme.

zuerst atme ich eine lange weile lang den kostbaren rosenduft tief ein. tiiief einatmen. rosenduft speichern, ausatmen. gar nicht so schlecht, diese alte französische sorte. mäuse riechen natürlich besser. aber mäuseduft ist nicht meine mission. also noch einmal tiiief einatmen .... das dauert.

wenn ich die nase voll habe, dann wird das komplette aroma nach china geschnurrt. blütenblatt für blütenblatt. es sind viele!

das bedarf meiner ganzen konzentration, meiner ungeteilten aufmerksamkeit. deswegen wirke ich auf dem foto so ernst und etwas abwesend. aber ich bin ganz da: im rosen-hierundjetzt!

warum das ganze? weil meine no. 1 heute geburtstag hat. weil ich sie so sehr liebe. weil ich weiß, dass in unserem garten in frankreich jetzt die großen rosen über und über blühen und der ganze garten danach duftet. weil ich ein bißchen heimweh habe. weil ich weiß, dass meine no. 1 in china auch ein bißchen heimweh hat. weil ich weiß, dass sie ihre rosen so sehr liebt und unseren garten in frankreich und mich liebt sie auch.

dass ich meine no. 1 vermisse, lasse ich hier in meiner zweitwohnung natürlich nicht so durchblicken. schließlich möchte ich mo jour nicht brüskieren.

aber trotzdem, heute muss es einfach mal raus. schließlich habe ich heute auch geburtstag. das weiß bloß keiner von meinen menschen. weil wir uns damals noch nicht kannten.

also: happy birthday in china - 衷心祝賀生日!


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tag der arbeit

wie ihr seht, bin ich sehr damit beschäftigt, verlockend auf der langen leitung von meiner hütefrau mo jour herum zu lungern. diese lange leitung ist - bei sonnenschein - zur zeit mein vorläufiger lieblingsplatz.



ich bin nämlich der meinung, dass mo jour zu viel arbeitet. sogar heute, am ersten mai, sitzt sie die ganze zeit vor ihrer klapperkiste und tappelt mit den fingerspitzen darauf herum. wo doch heute alles stille ist und sogar die allerfleißigsten bienchen eine pause einlegen.

was macht sie nur immer? dabei ist doch das oberste gebot an sonn- und feiertagen: du sollst ausgiebig deine katze kraulen!

nun habe ich mich schon so dekorativ und streicheleinheiten-empfangswillig in den sonnenflecken hingegossen, aber reagiert meine mo jour? nein! sie kapiert es einfach nicht. sie hat echt eine lange leitung!

wenn ihr nicht bald ein licht aufgeht und sie auch weiterhin immer nur im schatten sitzt, dann bleibt mir nichts anderes übrig als den stecker zu ziehen.


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katzenkult

ein bis zweimal in der woche kriegt meine mo jour ihre „komischen fünf minuten“. dann rennt sie völlig unkordiniert und ohne logik im zickzack in der wohnung auf und ab. hierhin und dorthin und wieder zurück.



meistens hat sie kurz vor ihrem wohnungsflitz unseren roten hausdrachen gefüttert. der scheint ihr gar nicht gut zu tun.

wenn mo jour sich wieder beruhigt hat, bringt sie meiner urururahnin, der schönen katzengöttin bastet, ein rauchopfer.

dazu zündet sie ein licht an und ein stinkestäbchen (auf letzteres könnte sie ruhig verzichten, ich mag den geruch gar nicht). dann haut sie auf ihre tibetische glocke und klatscht in die hände. klar. damit die göttin weiß, wo sie jetzt mal hingucken soll.

die große bastet wurde in ägypten verehrt, als göttin der liebe und der fruchtbarkeit. bastet ist aber auch die göttin des tanzes, der musik, der freude und der feste. ich muss das für die menschen so ausführlich aufschreiben, weil in der philosophie von uns katzen das alles ganz selbstverständlich zur liebe gehört und untrennbar eins ist.

die eigenschaften der großen bastet – schnurrende sanftmut und fauchender zorn – sind bis heute in allen katzen vorhanden.

wer in ägypten eine katze umbrachte, machte sich eines kapitalverbrechens schuldig und wurde mit dem tode bestraft. mindestens.

wenn der rote hausdrachen satt, die katzengöttin uns wohl gesonnen und mo jour beruhigt ist, darf sich wieder mir widmen: sie füttert mich. sie pflegt mein fell. sie spielt mit mir. sie lässt mich in ihrem bett schlafen. weil ich eine göttin bin. das ist katzenkult.


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fanpost II

da guckt hin! ich habe mal wieder post gekriegt. zwar stand auf dem umschlag drauf, dass es für frau mo jour sei. aber den braten habe ich gleich gerochen: das ganze paket war nur für mich bestimmt!



eine ganze knistertüte voll mit 1a echten katzenkeksen für echte katzen. nicht diese komischen blonden katzenbutterkekse, die wir nur zum spaß backen. die schmecken mir jedenfalls nicht. deswegen verschenken wir sie auch regelmäßig.

nun kann ich wieder mit mo jour trainieren: es ist gar nicht so einfach, diese dicke frau in bewegung zu bringen. ich ermuntere sie, mir das futter möglichst weit weg zu werfen. das tut ihrer steifen schulter gut. aber ich apportiere nicht, sondern fresse meine beute gleich an ort und stelle.

dazu gab es im paket eine nette kleine wärmekatze. natürlich in schwarz: das sieht mir ähnlich! die ist genau richtig für mein bäuchlein, wenn ich mal wieder blasenentzündung habe. oder erhöhte katzentemperatur.

hach, meine fans denken auch an alles! so muss es sein, das ist angemessen. ich bin sehr zufrieden und bedanke mich mit einem herzhaften gähnen.


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billard

seitdem ich keinen garten mehr habe, keine bäume zum draufklettern und keinen hund zum spielen, muss ich mich anderweitig fit halten. ich habe nur die olle renovierleiter auf dem balkon.



also habe ich mich für indoor billard entschieden. die regeln sind kompliziert, da hat auch mein schwarzer kopf zu tun.

für das teppich-billard habe ich viele schwarze kugeln. die müssen nach ausgeklügelten strategischen gesichtspunkten und einem sehr komplizierten zeitplan in der gesamten wohnung verteilt werden. ungefähr so wie meine haarkunst – aber natürlich ganz anders. das ist eine gute übung für meine pfotengeschicklichkeit.

ich habe auch drei bunte murmeln – eine größere und zwei kleinere. auf die muss ich besonders achtgeben, die fallen auf dem teppich nicht so auf. die gehören immer an stellen hingekullert, wo meine hütefrau garantiert drauftritt. das muss ich hellsehen! jeden tag an einen anderen platz. überraschung! mo jour läuft immer auf socken über den teppich. jedes mal, wenn sie eine kugel trifft, quietscht sie ganz zauberhaft.

die schwierigste aller meiner billard-herausforderungen ist die weiße irgendwie halbkugel. die hat es mir besonders angetan, weil sie so unkontrollierbar trudelt.

aber genau das ist das spannende daran. was wäre ein katzenleben ohne kleine überraschungen!


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weisses zeug

neuerdings schmeisst es ziemlich viel weisses zeugs vom himmel. manchmal tagelang. oder die ganze nacht durch. das ist nass und kalt und liegt dann draußen rum.



ich kenn das schon. in frankreich hatten wir das auch manchmal. mein großer garten war dann noch größer und nur weiß rundum.

wenn es weißes zeugs vom himmel schmeißt, dann seufzt die hütefrau und sagt: „es schneit schon wieder.“ sie sagt, dass sie den schnee nicht leiden kann. weil der schnee nicht so weich, warm und trocken ist wie watte. weil er ihre welt versteckt.

für mein eines auge ist die weiße welt da draußen auch ein bißchen schwierig auseinander zu halten. auch ich würde den schnee schöner finden, wenn er weich, warm und trocken wäre. so wie mein kuschelplatz an der heizung.

zum glück muss ich da nicht raus, futter besorgen. das lasse ich mir bringen. aus der katzenboutique. manchmal bestelle ich auch im intercat und lasse liefern.

ein gutes hat das weiße kaltzeugs aber doch: jetzt kann endlich jeder sehen, was für zierliche, wohlgeformte pfoten ich habe.


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dreizahn

da seht ihrs. meine zähne sind nicht so gut. deswegen habe ich schon vor jahren einige bei der zahntierärztin lassen müssen. fast alle, um ehrlich zu sein.



seither habe ich nur noch drei raffzähne. anfangs habe ich mich dafür ein bißchen geschämt.

inzwischen habe ich mich arrangiert und beweise mut zur lücke. wie ihr seht, lasse ich mein nur noch fragmentarisch vorhandenes gebiss inzwischen sogar fotografieren. zu forschungszwecken zum beispiel. dass da die lücke ist links unten, das hat sogar einige vorteile und ist ziemlich praktisch.

da kann ich nämlich ganz lässig meine zunge seitwärts raushängen lassen, wenn mir danach ist. wer noch alle zähne beieinander hat, da geht das nicht. da wäre die zunge ab. meine ist noch dran. der lücke sei dank.

dass ich mich auch mit heraushängender zunge fotografieren lasse, so weit sind wir aber nun doch noch nicht. ich lasse mich sowieso nur noch gegen gage fotografieren von der hütefrau. sie nervt mit ihrem lichtblitzdings.

für jedes veröffentlichte foto muss sie mir den bauch kraulen, während ich mit meinen drei restzähnen an ihrer hand knabbere. gleichzeitig kralle ich dann meine vorderpfoten fest um ihr handgelenk, damit sie nicht abhaut und trample mit meinen hinterpfoten energisch gegen ihren unterarm. so habe ich sie voll unter kontrolle. im sommer gab es mal ein bild davon.

sie mag das nicht. aber ich brauche das. ich muss doch dreizahnkampf trainieren!

katzentransport

obwohl ich bisher das haus nicht auf eigenen pfoten durch die vordertüre verlassen konnte, habe ich doch schon viele ausflüge in die gegend gemacht. dafür habe ich eine eigene katzensänfte, in der die hütefrau mich von einem ort zum anderen befördert. das ist mein PrivaterKatzenNahVerkehr, kurz PKNV.



dieses blau-silberne modell ist sehr schnittig und unterstreicht mein würdevolles äußeres. die hütefrau stellt es mir zur verfügung, während ich ihr haus mit meiner anwesenheit beehre.

das tolle daran ist, dass die tür oben ist und ich so ganz bequem ein- und aussteigen kann. innen liegt ein duftendes handtuch aus feinem waffelpiqué. baumwolle. in bleu. das steht mir hervorragend.

meine schicke box hat sehschlitze rundum. so kann ich immer genau verfolgen, wo wir sind und was draußen vor sich geht. auch über mir. die praktische deckeltüre schützt mich auch: da kann mir der himmel nicht auf den kopf fallen und auch kein kater.

weil die schlitze sehr schmal sind, bin ich für außenstehende nur schemenhaft zu erkennen. das erhöht die neugier und zeigt allen, dass ich etwas besonderes bin.

leider kann ich den fest verschlossenen klappdeckel nicht selbst von innen öffnen. ich würde sehr gerne unterwegs immer wieder mal raushüpfen. es wäre doch viel spannender und lustiger für mich, auf meinen reisen auch mal ein stück vom weg mit eigenen pfoten zu tasten und mit meiner eigenen feinen und hübschen nase die détails zu erschnuppern.

wahrscheinlich hat der katzensänftenkonstrukteur bei der herstellung nicht über diese bedürfnisse von uns katzen nachgedacht. ich werde bei der hütefrau ein verbessertes modell beantragen.

eigensinn

sicher könnt ihr euch an die katzentreppe erinnern, die meine süße hütefrau anfang oktober für mich installiert hat?



am nordbalkon hat sie extra ein stück von der balustrade entfernt und mir eine planke gelegt mit kleinen stufen. da könnte ich hinüber schnüren bis auf den gartenschuppen. vom gartenschuppen aus könnte ich unter die hecke tigern und von dort in die reben panthern.

aber och nöö! ich bin eine schwarze katze mit weißer schwanzspitze. ich mag nicht über die hintertreppe schleichen. ich bestehe darauf, durch den haupteingang aus- und einzustolzieren. seit zwei monaten schon warte ich auf die erlaubnis.

erst recht, seitdem es mir einmal gelungen ist, durch die haupttüre zu entwischen. hach! was war das spannend!

sofort bin ich die treppe vorm haus runtermarschiert, über den garagenvorplatz auf die andere straßenseite und habe zunächst die schwarze kutsche von der hütefrau von allen seiten beschnuppert. damit sind wir schließlich ständig unterwegs gewesen. da will ich doch wissen, wie das riecht!

leider bin ich nicht weiter gekommen. die hütefrau hat mich wieder eingesammelt und zurückgetragen ins haus und zack! war ich schon wieder drinnen und die haustüre war zu.

einmal ist keinmal, meine liebe! wenn sie jetzt denkt, dieser einmalige kurzausflug reicht mir, um endlich auch die hintertreppe zu benutzen, dann irrt sie sehr. irren ist menschlich. das passiert ihnen oft.

nach wie vor tue ich so, als ob die hintertreppe nicht existiert. nur in unbeobachteten augenblicken setze ich mich daneben, schaue nach nordost und schnurre sehnsüchtig in die schöne weite welt da draußen.

erholung

sooo viele wochen bin ich nun schon hier, seitdem die hütefrau mich aus der katzenpension abgeholt hat. mehr als zehn. sagt meine mo jour.



immer noch bin ich etwas verschnupft. das war da nämlich doof. erst mal hatte ich ja keine ahnung, was los ist, und riesengroße katzenangst, dass ich dort für immer bleiben muss.

meine katzfrau no. 1 hatte mir zwar genau erklärt, dass sie mal wieder ein bißchen verreist nach fernnordost, und dass ich nur so lange in der katzenversorgeanstalt bleibe, bis die hütefrau mich bald abholen kommt. aber wusste ich denn, wie lange das dauert? das wusste noch nicht mal meine no. 1!

ungefähr zwei oder drei wochen, hatte sie beim abschied gesagt. zwei oder drei wochen? wie soll eine katze wissen, was zwei oder drei wochen sind?

ist das so lang wie die zeit zwischen zwei mal gefüttert werden? oder dauert es so lange wie dreimal nasse pfütze im nacken gegen flöhe und zecken? vielleicht dauert es ja auch so lange wie der abstand zwischen zwei mal zur katzenklinik fahren mit piekseschmerzen in die seite gegen kratzwut und andere katztierkrankheiten? das wäre entsetzlich lange gewesen!

also war ich ganz durcheinander in dem katzenpflegeheim. außerdem roch das komisch und die katzenpflegerin hat mich ständig mit dem falschen namen angeredet und für einen kater gehalten. die hat noch nicht mal richtig hingeguckt!

vor lauter sehnsucht und heimweh war meine arme katzenseele so geschwächt, dass ich überhaupt keine abwehr mehr konnte. einen schweren infekt hab ich mir zugezogen. alle schleimhäute waren so stark geschwollen, dass ich weder fressen noch trinken konnte. dazu fieber und augenentzündung. und flöhe und flitzkacke. das volle programm. frau katzenpension hat davon nichts gemerkt.

die hütefrau hat mich echt in letzter minute da rausgeholt, ich habe schon kaum noch luft gekriegt. seither hat die hütefrau mich mindestens einmal in der woche in die katzenklinik gebracht.

katzenklinik ist zum glück nicht so schlimm wie katzenurlaubsinstitut. da bleibt mein mensch nämlich dabei und ich weiß, dass wir hinterher wieder gemeinsam nach hause fahren. dann singe ich vor glück die ganze fahrt über!

in dieser woche waren wir gar nicht raus miteinander. die hütefrau hat wohl endlich gemerkt, dass es mir jetzt reicht mit den ausflügen.

es ist ja auch alles wieder gut. wegen meiner klitzekleinen niesanfälle soll sie sich mal nicht so échauffieren. sie niest ja selber!

per du

zu meinen unschlagbaren vorläufigen lieblingsplätzen gehören die oberschenkel der hütefrau. da lungere ich gerne, schnurre laut und haue ihr vor vergnügen die krallen in die cellulite. dann qietscht sie. auch vor vergnügen natürlich.


die oberschenkelsause gibt es in zwei varianten:

erstens: wenn ich ihr mal mein catbook leihe. sie stellt das in ihrem büro auf den großen tisch und setzt sich auf den stuhl davor. ich hüpse sofort - aus dem stand! - erstmal auf den schreibtisch und schaue was sie macht. dann steige ich ab auf ihre oberschenkel und mache es mir gemütlich zwischen der tischkante und ihrem bauchspeck.

das ist schön! sie liest mir dann immer meine post vor.

zweitens: wenn es draußen dunkel wird. zum ausruhen setzt sich die hütefrau manchmal auf ihr sofa, legt die füße hoch und schaut diesen großen plauder- und musik-kasten mit bewegten bildern an.

das sofa ist übrigens aus feinstem büffelleder, riecht gut und eignet sich hervorragend zur krallenpflege und für kurze nickerchen.

wenn die hütefrau zu mir aufs sofa kommt, dann ist meine große stunde gekommen! ich lege mich nämlich sofort oben auf ihre beine. diese hütefraubeine sind gemütlich lang und breit und weich. auch ich werde immer länger, wenn ich mich auf den rücken wälze und alle viere von mir strecke.

oh wie ich sie dafür liebe!

sie darf mich jetzt auch duzen. ich bin für die hütefrau also nicht mehr ‚sehr geehrte frau katzebutz‘, sondern ‚oh du mein äuglein‘. ich muss sie auch nicht mehr siezen und darf ab sofort einfach ‚mo jour‘ zur hütefrau sagen.

mit dem arsch

sagte neulich meine hütefrau zu ihrem sprechapparat: „dieser vermieter ist so dooof, den guck ich mit dem arsch nicht an.“

aha. jetzt weiß ich zweierlei:

erstens: warum sie mich nicht so gerne ins treppenhaus lässt. ich könnte unterwegs doofen vermietern begegnen. das möchte sie mir wohl nicht zumuten. sehr umsichtig.

zweitens: wenn menschen sich gegenseitig doof finden, drehen sie einander nicht die hinterseite zu. das ist bei uns katzen ähnlich.



wenn ich in meine menschen oder mitkatzen vertrauen habe, brauche ich sie nicht drohend von vorne anzustarren mit katzentodesblick. nur wesen, denen ich bedingungslos vertraue, kann ich locker meine kehrseite zuwenden und sie ganz vertrauensvoll mit dem arsch angucken.

das tun wir katzen nur, wenn wir sicher sein können, dass nicht - sobald wir uns abwenden - von hinten jemand draufhaut und reinbeißt oder schlimmstenfalls sogar beides.

wie auf dem beweisfoto zu sehen ist, habe ich zur hütefrau schon allerbestes arschvertrauen. meine katzfrau no 1 würde jetzt über mich sagen: „sie ist so eine sehr zugewandte katze.“

menschentreppe

neulich hat mir die hütefrau eine katzentreppe installiert. da könnte ich jederzeit hinüber balancieren und in den garten gehen.



aber ich tue immer noch so, als ob mich das nicht interessiert. es interessiert mich auch nicht, bevor ich nicht durch den haupteingang darf. aber die hütefrau will das nicht. ich darf noch nicht einmal ins treppenhaus und alles beschnuppern, was mir hier sonst noch gehört. ich soll nur in meiner wohnung sein und diese nur über die hintertreppe betreten und verlassen.

nix da! erst will ich durch die durchsichtige wand ganz unten im haus, die immer so schön kühl ist, wenn ich mit der nase dagegen stubse. in der katzensänfte bin ich da schon durchgetragen worden. bloß noch nicht auf eigenen pfoten. die menschen können die gläserne wand aufklappen und dann durch die öffnung laufen. ich nicht. aber das will ich auch! das steht mir zu!

in der wohnung sind auch durchsichtige klappwände, die zur seite aufschwingen und ganz kühl sind, wenn ich mit der nase dagegen stubse. aber die interessieren mich wenig. denn die gehen nur auf den balkon mit dem ausguck und mit der hintertreppe. außerdem darf ich da sowieso durch. kenn ich alles schon!

zwischen meiner wohnung und dem treppenhaus ist eine andere klappwand. die ist nicht durchsichtig. aber das macht nichts. wenn die hütefrau mal weggeht um mein futter zu jagen, dann lausche ich, bis sie zurückkommt und postiere mich direkt dahinter.

schwingt die wohnungsklappe auf – zackzack! bin ich durchgewitscht und renne die menschentreppe runter. zwei etagen spiegelglatter polierte grüne marmorstufen. mit haarnadelkurven. gar nicht so einfach. da muss ich achtgeben, dass ich nicht ins rutschen komme. meine krallen geben mir da keinen halt.

dann guckt sie von oben runter und tut ganz verliebt, damit ich wieder hochkomme. aber ich höre nicht drauf, laufe bis vor die große hauptglasklappe, setze mich breit davor, schaue sehnsüchtig hinaus in den garten und singe. und singe!

bislang hat die hütefrau wohl nicht verstanden, dass es eine gewisse rang- und reihenfolge gibt bei der kätzischen benutzung der aus- und eingänge. aber ich werde so oft und so lange und immer wieder singen, bis sie mich da unten irgendwann durchlässt.

mal sehen, wie lange sie meine katzenmusik noch aushält. sie ist sonst eigentlich ganz pfiffig für eine zweibeinerin.

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