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no way

es gehört zu meinen pflichten im exil, in der frühen morgensonne den zugang zu meinem katzenbalkon zu bewachen. ich überprüfe sorgfältigst und mit allen sinnen, wer wohl da draußen so alles lauert.



die katzentreppe ist ziemlich schmal: eine holzplanke mit ministüfchen, damit man nicht abrutscht und in den abgrund stürzt, der darunterliegt. es drohen mindestens zwei meter freier fall ins tomatenbeet.

es handelt sich um eine zugbrücke. ich selbst bediene die mechanik natürlich nicht. ich lasse das die hütefrau machen. manchmal zieht sie die brücke auf den balkon zurück. unter stöhnen und ächzen. die soll sich mal nicht so haben. es geht schließlich um unsere sicherheit.

wer kommt und von meinem teuren spezialfutter naschen oder mich sonstewie ärgern will, muss durch dieses nadelöhr. an mir führt kein weg vorbei. egal ob maus oder igel, ob huhn oder nachbarskater. bisher traut sich keiner!

wenn ihr jetzt denkt, dass auch ich selbst über diese hintertreppe ein- und ausgehe - weit gefehlt! wer bin ich denn? solange mo jour mich nicht standesgemäß durch den vorderen haupteingang lässt, verweigere ich die ausweitung meiner wach- und kontrolldienste in den außenbereich.

das hat sie nun davon.


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vielleicht

seit viereinhalb monaten bin ich nun bei mo jour zu gast.

im grund verstehen wir uns prächtig. das liegt vor allem daran, dass ich eine so zugewandte und sehr geduldige katze bin und nicht immer auf meinen katzenrechten bestehe.



zum beispiel habe ich mich fast damit abgefunden, dass ich hier nicht durch die vordertüre raus und rein darf. also bleibe ich eben drinnen und versuche kaum noch, vorne rauszuwitschen.

natürlich könnte ich über die katzentreppe hinten raus gehen. tu ich aber nicht. schon gar nicht, solange da auf dem eigentlich schwarzen schuppendach noch weißer schnee liegt. da ist ja meine tarnung völlig dahin.

ich sitze aber täglich vor der öffnung in der balkonumrandung und sinniere hinüber.

mo jour hat erzählt, dass ihre alte katze neun monate gebraucht hat, bevor sie sich hinübertraute. nicht, dass ihr denkt, ich hätte angst, da rüber zu balancieren. schließlich bin ich in frankreich die bäume hoch und runter und zweieinhalb meter aus dem stand über abgründe gehechtet.

mein eines auge guckt für zwei!

nönö. angst habe ich keine. ich doch nicht. allerhöchstens ein ganz klein klitzbißchen respekt vor dem großen starken schwarzen kater, der da draußen immer so forsch auf und ab marschiert und uns hier im sommer ja auch schon mal des nachts besucht hat.

könnte schon sein, dass ich mal irgendwann über die planke gehe. bald. oder später. vielleicht.


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gegen die wand

das ist mein katzenklo, an dem ich gerade ausgiebig schnuppere. zumindest der obere teil davon. eine schicke haube, unter der ich ungestört meinen geschäften nachgehen kann.


ihr müsst wissen, dass ich eine waisenkatze bin und nicht bei meiner katzenmutter aufwuchs, sondern bei einem großen hund. der brave bruno, ungefähr eine dogge, hat sich bestens um die grundzüge meiner erziehung gekümmert.

er hat mir alles wichtige beigebracht. unter anderem hätte er sich niemals zum pinkeln hingesetzt. noch heute habe ich ein besonderes vergnügen daran, im stehen zu pieseln.

in meinem alten katzenklo ging das nicht, das war nur eine schale. aber seitdem ich unter der haube bin, strullere ich voll karacho gegen die wand. das prasselt so schön!

meine hütefrau ist indigniert. mo jour sagt, sie hat keine lust, ständig ums katzenklo herum die pfützen wegzuputzen. mindestens zweimal am tag.

es ist nämlich so, dass ich nicht nur gegen die wand, sondern auch mit großer zielsicherheit genau in die ritze zwischen toilettenschale und haube pullere. dann läuft es außen runter. das hält innen das katzenstreu schön sauber.

nun ist die haube ab und weg. ich muss wieder im sitzen pinkeln. sonst gibt es nachhaltigen ärger. da ich eine smarte koboldskatze bin, möchte ich das lieber nicht riskieren.

sehr katzenschade.

das wäre tatsächlich ein grund, meinen katzentreppen-boykott aufzugeben und mal in den garten zu gehen.


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katzentransport

obwohl ich bisher das haus nicht auf eigenen pfoten durch die vordertüre verlassen konnte, habe ich doch schon viele ausflüge in die gegend gemacht. dafür habe ich eine eigene katzensänfte, in der die hütefrau mich von einem ort zum anderen befördert. das ist mein PrivaterKatzenNahVerkehr, kurz PKNV.



dieses blau-silberne modell ist sehr schnittig und unterstreicht mein würdevolles äußeres. die hütefrau stellt es mir zur verfügung, während ich ihr haus mit meiner anwesenheit beehre.

das tolle daran ist, dass die tür oben ist und ich so ganz bequem ein- und aussteigen kann. innen liegt ein duftendes handtuch aus feinem waffelpiqué. baumwolle. in bleu. das steht mir hervorragend.

meine schicke box hat sehschlitze rundum. so kann ich immer genau verfolgen, wo wir sind und was draußen vor sich geht. auch über mir. die praktische deckeltüre schützt mich auch: da kann mir der himmel nicht auf den kopf fallen und auch kein kater.

weil die schlitze sehr schmal sind, bin ich für außenstehende nur schemenhaft zu erkennen. das erhöht die neugier und zeigt allen, dass ich etwas besonderes bin.

leider kann ich den fest verschlossenen klappdeckel nicht selbst von innen öffnen. ich würde sehr gerne unterwegs immer wieder mal raushüpfen. es wäre doch viel spannender und lustiger für mich, auf meinen reisen auch mal ein stück vom weg mit eigenen pfoten zu tasten und mit meiner eigenen feinen und hübschen nase die détails zu erschnuppern.

wahrscheinlich hat der katzensänftenkonstrukteur bei der herstellung nicht über diese bedürfnisse von uns katzen nachgedacht. ich werde bei der hütefrau ein verbessertes modell beantragen.

eigensinn

sicher könnt ihr euch an die katzentreppe erinnern, die meine süße hütefrau anfang oktober für mich installiert hat?



am nordbalkon hat sie extra ein stück von der balustrade entfernt und mir eine planke gelegt mit kleinen stufen. da könnte ich hinüber schnüren bis auf den gartenschuppen. vom gartenschuppen aus könnte ich unter die hecke tigern und von dort in die reben panthern.

aber och nöö! ich bin eine schwarze katze mit weißer schwanzspitze. ich mag nicht über die hintertreppe schleichen. ich bestehe darauf, durch den haupteingang aus- und einzustolzieren. seit zwei monaten schon warte ich auf die erlaubnis.

erst recht, seitdem es mir einmal gelungen ist, durch die haupttüre zu entwischen. hach! was war das spannend!

sofort bin ich die treppe vorm haus runtermarschiert, über den garagenvorplatz auf die andere straßenseite und habe zunächst die schwarze kutsche von der hütefrau von allen seiten beschnuppert. damit sind wir schließlich ständig unterwegs gewesen. da will ich doch wissen, wie das riecht!

leider bin ich nicht weiter gekommen. die hütefrau hat mich wieder eingesammelt und zurückgetragen ins haus und zack! war ich schon wieder drinnen und die haustüre war zu.

einmal ist keinmal, meine liebe! wenn sie jetzt denkt, dieser einmalige kurzausflug reicht mir, um endlich auch die hintertreppe zu benutzen, dann irrt sie sehr. irren ist menschlich. das passiert ihnen oft.

nach wie vor tue ich so, als ob die hintertreppe nicht existiert. nur in unbeobachteten augenblicken setze ich mich daneben, schaue nach nordost und schnurre sehnsüchtig in die schöne weite welt da draußen.

menschentreppe

neulich hat mir die hütefrau eine katzentreppe installiert. da könnte ich jederzeit hinüber balancieren und in den garten gehen.



aber ich tue immer noch so, als ob mich das nicht interessiert. es interessiert mich auch nicht, bevor ich nicht durch den haupteingang darf. aber die hütefrau will das nicht. ich darf noch nicht einmal ins treppenhaus und alles beschnuppern, was mir hier sonst noch gehört. ich soll nur in meiner wohnung sein und diese nur über die hintertreppe betreten und verlassen.

nix da! erst will ich durch die durchsichtige wand ganz unten im haus, die immer so schön kühl ist, wenn ich mit der nase dagegen stubse. in der katzensänfte bin ich da schon durchgetragen worden. bloß noch nicht auf eigenen pfoten. die menschen können die gläserne wand aufklappen und dann durch die öffnung laufen. ich nicht. aber das will ich auch! das steht mir zu!

in der wohnung sind auch durchsichtige klappwände, die zur seite aufschwingen und ganz kühl sind, wenn ich mit der nase dagegen stubse. aber die interessieren mich wenig. denn die gehen nur auf den balkon mit dem ausguck und mit der hintertreppe. außerdem darf ich da sowieso durch. kenn ich alles schon!

zwischen meiner wohnung und dem treppenhaus ist eine andere klappwand. die ist nicht durchsichtig. aber das macht nichts. wenn die hütefrau mal weggeht um mein futter zu jagen, dann lausche ich, bis sie zurückkommt und postiere mich direkt dahinter.

schwingt die wohnungsklappe auf – zackzack! bin ich durchgewitscht und renne die menschentreppe runter. zwei etagen spiegelglatter polierte grüne marmorstufen. mit haarnadelkurven. gar nicht so einfach. da muss ich achtgeben, dass ich nicht ins rutschen komme. meine krallen geben mir da keinen halt.

dann guckt sie von oben runter und tut ganz verliebt, damit ich wieder hochkomme. aber ich höre nicht drauf, laufe bis vor die große hauptglasklappe, setze mich breit davor, schaue sehnsüchtig hinaus in den garten und singe. und singe!

bislang hat die hütefrau wohl nicht verstanden, dass es eine gewisse rang- und reihenfolge gibt bei der kätzischen benutzung der aus- und eingänge. aber ich werde so oft und so lange und immer wieder singen, bis sie mich da unten irgendwann durchlässt.

mal sehen, wie lange sie meine katzenmusik noch aushält. sie ist sonst eigentlich ganz pfiffig für eine zweibeinerin.

katzentreppe

meine hütefrau gibt sich große mühe, mir die trennung von meiner familie und meinem hund und meinem großen haus mit riesengroßem garten in frankreich so leicht wie möglich zu machen.



bislang war ich immer nur hier in der wohnung und auf dem balkon. als ich von mai bis juli schon mal hier war, war das noch ganz spannend. ich habe mir alles angesehen, mich gut eingelebt und immer wieder gerne auf der breiten balkonbrüstung gesessen. von dort kann ich prima die nachbarschaft überwachen, in die weinberge und übers tal gucken.

genau das tue ich nun auch wieder, seit vier wochen schon. mit meinem einen auge. nicht, dass hier jemand denkt, ich wäre blind! allmählich aber hat auch mein eines auge sich aus der ferne an allem satt gesehen und meine nase möchte mal hinschnuppern.

zuerst möchte ich den rest des hauses kennenlernen. das scheint der hütefrau aber nicht so recht zu sein. erst zweimal hat sie mir erlaubt, ins treppenhaus zu gehen. ich bin natürlich sofort runtergestiefelt und habe deutlich zu verstehen gegeben, dass ich zur vorderen haustür hinaus möchte.

nix da. sie lässt mich nicht. ich musste die treppen zu fuß wieder hoch. zwei stockwerke. das geht gerade noch. aber getragen werden wäre besser.

nun hat die hütefrau mir eine hintertreppe installiert.

vom nordbalkon hinüber auf den geräteschuppen im garten der hausbesitzer. vom dach des geräteschuppens könnte ich unter die immergrüne kirschlorbeerhecke hüpfen und dort erst mal orientierungshalber sitzen bleiben.

oder von dort wiederum über die kleine sackgassenstraße in die reben gehen und wilde beutetiere jagen. oder erst einmal die straße auf und ab flanieren und die kätzischen kollegInnen in der nachbarschaft kennenlernen.

ein paar habe ich von oben schon gesehen, und einer war ja auch schon mal nachts zu besuch hier.

aber es ist eben eine hintertreppe! ich gehe doch nicht heimlich über eine hintertreppe! erst recht nicht, bevor ich nicht ordnungsgemäß durch den haupthauseingang ein- und ausgehen darf.

ich bin doch kein lieferant!

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