zhōngxīn zhùhè shēngrì

die hütefrau, meine mo jour, hat mir heute einen besonderen spezialauftrag gegeben. sie sagt, ich könnte doch einmal versuchen, rosenduft nach china zu schnurren.


normalerweise übernehme ich kein auftragsschnurren, denn ich bin keine postkatze.

aber in diesem einen besonderen fall - und natürlich auch weil es eine große herausforderung für mich ist, der ich mich nicht verweigern kann – mache ich eine ausnahme.

zuerst atme ich eine lange weile lang den kostbaren rosenduft tief ein. tiiief einatmen. rosenduft speichern, ausatmen. gar nicht so schlecht, diese alte französische sorte. mäuse riechen natürlich besser. aber mäuseduft ist nicht meine mission. also noch einmal tiiief einatmen .... das dauert.

wenn ich die nase voll habe, dann wird das komplette aroma nach china geschnurrt. blütenblatt für blütenblatt. es sind viele!

das bedarf meiner ganzen konzentration, meiner ungeteilten aufmerksamkeit. deswegen wirke ich auf dem foto so ernst und etwas abwesend. aber ich bin ganz da: im rosen-hierundjetzt!

warum das ganze? weil meine no. 1 heute geburtstag hat. weil ich sie so sehr liebe. weil ich weiß, dass in unserem garten in frankreich jetzt die großen rosen über und über blühen und der ganze garten danach duftet. weil ich ein bißchen heimweh habe. weil ich weiß, dass meine no. 1 in china auch ein bißchen heimweh hat. weil ich weiß, dass sie ihre rosen so sehr liebt und unseren garten in frankreich und mich liebt sie auch.

dass ich meine no. 1 vermisse, lasse ich hier in meiner zweitwohnung natürlich nicht so durchblicken. schließlich möchte ich mo jour nicht brüskieren.

aber trotzdem, heute muss es einfach mal raus. schließlich habe ich heute auch geburtstag. das weiß bloß keiner von meinen menschen. weil wir uns damals noch nicht kannten.

also: happy birthday in china - 衷心祝賀生日!


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sunny side up

eine uralte katzenkoboldsregel lautet: „wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufzustellen.“

als katze von welt ist es mir daher natürlich ein großes anliegen, mich auch optisch angemessen in den haushalt von mo jour zu integrieren.


ihr könnt euch meine große freude vorstellen, als sie diesen schönen altmodischen holzliegestuhl für mich auf den balkon stellte. vor allem freute ich mich über den kuscheligen frotteebezug, aus dem ich kunstvoll fäden ziehen kann.

zusätzlich ist diese decke auch noch katzenzungenfarbig! das ist ein weiterer beweis, dass mo jour es wirklich ernst mit mir meint und dass dieser liegestuhl auch wirklich ganz und gar und nur für mich ist.

mein derzeitiger vorläufiger lieblingsplatz ist also wie geschaffen dafür, mich ausgiebig und langwierig der fellpflege zu widmen und mit der zunge immer schön weit auszuholen.

zumindest, solange die sonne scheint. vorsichtshalber sitze ich hier dann schneller als die hütefrau die worte „heute bin ich aber mal an der reihe mit liegestuhllümmeln“ auch nur denken könnte!

die sonne scheint auf dem balkon jetzt nämlich höchstens eine gute stunde am tag: schuld daran sind die baulichen und gärtnerischen gegebenheiten in gestalt eines weit vorgezogenen dachs und eines ausladenden baums. in dieser zeit gehört der platz an der sonne natürlich mir.

die schattenzeiten interessieren mich einfach nicht.


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katzebutz mit nebelauge

ich bin ja nur ein kleiner, plaudernder hauskobold in schwarzweißer katzengestalt.

aber in den unendlichen weiten des universums, da gibt es noch ganz andere als mich! da gibt es katzebutzen, die sind so unglaublich unvorstellbar groß, dass schon die entgegengesetzten spitzen einer einzigen katzenaugenpupille lichtjahre voneinander entfernt sind. fragt mich nicht, in welcher galaxie sich deren schwanzspitze tummelt!

NGC6543 - Bildquelle: NASA

der himmlische katzenkobold ist nicht nur riesengroß, sondern noch dazu auch ziemlich weit weg. so ungefähr dreitausend lichtjahre. das ist weiter als bis nach china! kein wunder, dass, wenn dieser kosmische über-katzebutz so groß ist, man nicht alle körperteile ganz klar erkennen kann.

deswegen heißt sein eines auge auch 'katzenaugennebel' oder auf international „cat eye's nebula“. um so ein riesiges katzenauge auch nur annähernd fotografieren zu können, benötigt man natürlich auch einen überdimensionalen fotoapparat.

der kosmische fotoapparat heißt 'hubble'. hubbel kreist in knapp 600km höhe in einem affenzahn um die erde. alle anderthalb stunde einmal!

also passt bloß auf, dass euch der hubble nicht auf den kopf knallt. falls ihr irgendwelche zweifel habt: die sind berechtigt! vorsichtshalber versteckt euch lieber unter dem bett. katz kann nie wissen.

zwischendurch könnt ihr euch hubbels fotoalben bei der NASA anschauen. aber beeilt euch: den katzenaugennebel gibt es nur noch höchstens zehntausend jahre.


ps.
habt ihr eigentlich bemerkt, dass auch das kosmische katzebutz nur ein auge hat?!


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sonniges pastell

wenn ich mich mal im spiegel betrachte, sehe ich mich ungefähr so: in sanftem sonnigen pastell, und nicht allzu scharf:


das kommt zum einen daher, dass ich kein rot sehe. fragt mich nicht wie rot aussieht. ich habe keine ahnung! dass ich's nicht sehen kann, habe ich neulich auf einem streifzug durchs intercat erfahren.

meine farben sind gelb, vor allem gelb! dazu ein bißchen blau – so nennt ihr menschen das. grün oder grau sehe ich vieles, was für euch vielleicht andere farben hat.

das liegt daran, dass in meinen augen keine roten farbzapfen sind, und von den anderen für die farben blau und grün habe ich weniger als ihr, die meisten sehen gelb. erdbeeren interessieren mich also nicht. die graue maus schon eher!

andererseits habe ich mehr lichtempfindliche stäbchen und sehe auch nachts alles hell – wenn's für euch schon zappelduster ist.

deswegen beobachte ich eure welt am liebsten ganz relaxed mit halb geschlossenen augen. das ist immer noch hell genug. probiert das mal aus! es ist alles viel hübscher, wenn man gedimmte sanfte farben sieht und die konturen ein bißchen verwaschen sind.

ihr müsst auch nicht alles so dicht vor mich hinlegen, denn ich bin ziemlich weitsichtig. deswegen nützt es mir nichts, wenn ich mich direkt vor den spiegel stelle. alles unscharf!

das nagetier im rebberg aber, ganz weit hinten, das sehe ich sofort. rattenscharf sozusagen!


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tag der arbeit

wie ihr seht, bin ich sehr damit beschäftigt, verlockend auf der langen leitung von meiner hütefrau mo jour herum zu lungern. diese lange leitung ist - bei sonnenschein - zur zeit mein vorläufiger lieblingsplatz.



ich bin nämlich der meinung, dass mo jour zu viel arbeitet. sogar heute, am ersten mai, sitzt sie die ganze zeit vor ihrer klapperkiste und tappelt mit den fingerspitzen darauf herum. wo doch heute alles stille ist und sogar die allerfleißigsten bienchen eine pause einlegen.

was macht sie nur immer? dabei ist doch das oberste gebot an sonn- und feiertagen: du sollst ausgiebig deine katze kraulen!

nun habe ich mich schon so dekorativ und streicheleinheiten-empfangswillig in den sonnenflecken hingegossen, aber reagiert meine mo jour? nein! sie kapiert es einfach nicht. sie hat echt eine lange leitung!

wenn ihr nicht bald ein licht aufgeht und sie auch weiterhin immer nur im schatten sitzt, dann bleibt mir nichts anderes übrig als den stecker zu ziehen.


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