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vibrissen

es ist wieder einmal so weit: mein großes weißes barthaar hat ausgeschnurrt. diesmal habe ich es mo jour persönlich in die hand gelegt, als sie mir die wangen kraulte. ich musste doch unbedingt verhindern, dass sie auch dieses ihrem häßlichen roten hausdrachen opfert.


mein großes weißes schnurrhaar hält ungefähr acht monate. es ist auch genau acht zentimeter lang. das wissen wir jetzt. die doppelte acht ist besonders wichtig, weil acht die zahl der unendlichkeit ist. das intensiviert die intention.

dafür, dass ich ständig mit fern-china fernschnurre, sind acht monate haltbarkeit ziemlich lange. für dauernde extrembelastung sind katzen-vibrissen sonst nicht gedacht. auch nicht das weiße. ihr wisst schon: wir katzen haben es gerne locker.

noch viel mehr vibrissen habe ich über den augen, an den pfoten und eigentlich überall im fell. die allerfeinsten sind unter den pfoten. damit kann ich jedes noch so kleine beben spüren, das zum beispiel von mausefüßchen verursacht wird – auch aus großer entfernung.

aber auch, wenn in meinem fell ganz viele sensorhaare wachsen – gerade dieses eine große weiße auf der seite, wo ich kein auge habe, ist besonders wichtig für mich.

nun muss ich wieder ein weilchen geduld haben, bis es nachgewachsen ist. das dauert – wie wir inzwischen genau erforscht haben – ungefähr zwei monate.

meine liebe no. 1 in china, du musst dir keine sorgen machen: in der zwischenzeit funke ich dir meine allerliebsten katzebutzgrüße täglich mit der weißen schwanzspitze. das geht auch!


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hausdrachen

den elefantenrüsseligen krachkasten habe ich schon mehrmals erwähnt. er ist sehr laut. davor habe ich tierischen respekt.


mit seinem langen rüssel kommt er überall hin. deswegen ist das foto eine seltenheit. normalerweise bin ich immer nur da, wo unser hausdrachen nicht ist. wenn wir uns begegnen, kann ich ihn nur mit zunge rausstrecken und katzentodesblick auf abstand halten.

die meiste zeit steht er unbeweglich lauernd in einer ecke in seinem eigenen zimmer. dann scheint er zu verdauen. aber wehe, wenn er hunger hat! dann kommt er heraus und ist so wild, dass mo jour ihn an die leine legen muss.

dafür gibt es in der wohnung an den wänden mehrere hausdrachenleinen-andockstationen in katzen-nasenspitzen-höhe.

wovon er sich ernährt, weiß man nicht so genau. mir scheint, er ist da sehr wählerisch: zum beispiel meine katzenhaarkunst frisst er regelmäßig weg – und ich kann wieder von vorne anfangen. meine mäuse aber lässt er liegen.

ganz sicher hat er mein großes weißes schnurrhaar verputzt. ich kann es nirgends mehr finden.

auch kekskrümel verschlingt er. da ist er so heiß drauf, dass er mo jour überall hin durch die ganze wohnung folgt. wahrscheinlich hofft er, dass sie noch ein paar krümel fallen lässt.

mo jour mag den hausdrachen auch nicht. „viel zu laut“, pflegt sie zu sagen. der hat aber auch wirklich schlechte manieren. wie kann man beim fressen nur so viel lärm machen?

ich kann mir nicht erklären, warum der überhaupt hier wohnt. wir haben es doch sehr gemütlich zu zweit. auf diesen lärmbolzen könnte ich gut verzichten. meine katzfrau no. 1 im haus in frankreich hat auch einen. ich verstehe das nicht.

irgendwie scheinen diese hausdrachen für menschenwohnungen wichtig zu sein. oder umgekehrt. vielleicht gehört ihm die wohnung auch? und er lässt uns nur hier wohnen, damit wir ihn regelmäßig füttern?


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haarausfall

es ist weg. mein großes weißes schnurrhaar. es hat mich in der nacht vom 7. auf den 8. januar 2011 verlassen. ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. ich weiß auch nicht, wo es passiert ist.


das ist ein verlust: ich hatte nur dieses eine. auf der rechten seite, wo ich kein auge habe. das weiße haar hat das kranke auge quasi ersetzt. jetzt ist das weiße schnurrhaar weg – und ich bin halb blind!

der haarausfall ist sicher passiert, weil ich in den letzten wochen so dermaßen intensiv ferngeschnurrt habe. die entfernung ist zwar im augenblick nicht so groß, aber ich muss nebenher noch kranke familienmitglieder heile schnurren. das kostet kraft. und offensichtlich schnurrhaare.

erst neulich abends noch habe ich meiner hütefrau mo jour sehr eindrucksvoll demonstriert, dass ich mein eines weißes schnurrhaar ganz elegant nach oben aufrichten kann, wenn ich mehr wahrnehmen will oder um die fernschnurre zu verstärken oder den empfang zu verbessern.

wenn ich mal nicht so stark neue eindrücke verarbeite, lasse ich das weiße haar lässig herabhängen. mo jour war sehr beeindruckt. sie will mir helfen, das haar wieder zu finden. dann können wir es in die voodoo-sammlung legen.

jetzt wagt sie nicht einmal mehr, den großen roten elefantenkrachkasten in die wohnung zu lassen. das finde ich zwar nicht schlimm. aber wenn der jetzt verhungert, dann möchte ich natürlich auch nicht schuld sein.

ich glaube nicht, dass mo jour das weiße haar noch findet. ihre zwei augen sind nicht so gut wie mein eines. zum trost habe ich ihr mein schönstes schwarzes barthaar auf den schreibtisch gelegt. das war fast so groß wie mein weißes.


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katzenkraft

in meinen starken krallen ist all meine kraft. in meinen sensiblen schnurrhaaren ist all meine empfindsamkeit, alles gute und alles schlechte, das ich jemals damit empfangen habe.



wenn ich mal eine kralle verliere oder ein schnurrhaar, dann lege ich das meiner hütefrau auf den teppich. sie hebt es dann auf und legt es in ein spezielles vorratsglas.

ihr seht also, die hütefrau hat ahnung von koboldskatzen. mit diesen magischen zutaten, die sämtliche katzenkraft in sich konzentrieren, kann sie nämlich ganz prima voodoo betreiben. weißes voodoo oder schwarzes voodoo, je nachdem.

schwarzes voodoo hat neulich mal ihr vermieter gekriegt, weil der immer so einen lärm macht. da hat sie einen zaubertrank gekocht mit krallen zur abwehr und mit ein paar von meinen schnurrhaaren drin, die von dem baulärm und dem akkordeongedudel auch schon ganz genervt sind. damit ging die schlechte vermieterenergie katzfatz ‚return to sender‘- und wir hatten wieder ruhe.

vor ein paar tagen habe ich die katzenkraftverstärker mal dringend selbst benötigt, weil ich dieses eine flugzeug von china nach deutschland sicher herbeischnurren musste. flugzeuge sind schwierig zum fernschnurren, weil die menschen ständig ihren radar dazwischen funken.

in dem flugzeug saß meine no. 1. deswegen musste ich da unbedingt verstärkt hinschnurren. jetzt ist sie wieder raus aus dem flugzeug und alles an ihr ist ganz heile.

nun kann es nicht mehr lange dauern, bis sie mich hier besuchen kommt, und darauf freue ich mich schon sehr. ich werde der hütefrau sagen, sie soll katzenkekse backen.


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fanpost

das war doch nicht alles werbung und formulare, was da neulich bergeweise auf dem tisch lag. da war auch 1a katzebutz-fanpost dabei. ich liiiiebe fanpost!

meine hütefrau konnte mit der etwas ungewöhnlichen postkarte mit klebestreifen erst gar nicht so recht was anfangen. klar, bei menschen muss man immer alles ganz genau aufschreiben, sonst wissen die den absender nicht. absender steht natürlich keiner drauf, denn unsereins katzebutz erkennt das am geruch. wie sonst?!


das motiv ist sehr sinnvoll gewählt, eine tuschzeichnung von miyamoto musashi. der war samurai in japan im 17. jahrhundert und konnte mit zwei schwertern gleichzeitig kämpfen. so wie unsereins: auch ich habe krallen an beiden vorderpfoten. die sind immer gut scharf – und bei bedarf setze ich die natürlich auch beide gleichzeitig ein.

der titel der tuschzeichnung ist „der betrunkene hotei (glücksgott)“ sieht katz auf den ersten blick, das der alte nicht ganz knusper ist. es steht aber auch klein gedruckt oben links auf der rückseite der postkarte. das ist japanisch.

ich kann gut japanisch, denn ich habe immer die sendung mit der maus geguckt. die hab' ich zum fressen gern. das ist katzenbildung!

das uralte originalbild mit dem göttlichen trunkenbold ist im kunstmuseum in okayama in japan. da in der nähe ist der wilde krieger geboren. okayama bedeutet übersetzt: hügel und berge. das ist genau wie hier: in der nähe von hügel und bergen bin auch ich geboren.

noch viel mehr gefreut habe ich mich natürlich über die persönliche botschaft unten links, und das hat sogar die hütefrau auf anhieb verstanden! echte extralange weiße katzenschnurrhaare sind da bei mir angekommen, vorsichtig mit klebefilm befestigt und geschützt.


hach und wie die duften - ich kann geradezu spüren, wie sie noch vibrieren und botschaften senden!

zum schnurrverstärken! oder falls mir mal mein einziges weißes schnurrhaar rechts unter dem fehlenden auge ausfällt, dann habe ich sofort ersatz für die weiße frequenz und muss nicht erst ewig warten bis es nachgewachsen ist.

ich bin hingerissen. das ist wahre katzenliebe! so gehört sich das. wer so etwas verschickt weiß ganz genau, wie hochachtung unter katzen zum ausdruck gebracht wird.

das sind gerettete schätze aus bonn, mit spezialstempel aus dem briefzentrum 53. das hat sonst keiner, sowas kriege nur ich, das äuglein! prrrt.

aus datenkatzrechtlichen gründen hat meine hütefrau leider nicht erlaubt, dass ich die volle anschrift auf der postkarte hier im catlog zeige. deswegen habe ich sie ein bißchen verpixelt. nicht dass ich noch gecatnappt werde. krrrratzzfrauch.

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